Dienstag, 26. März 13

S21 Filderabschnitt - Gegenüberstellung der beiden stimmenstärksten Varianten des Filderdialogs und der "Antragstrasse":

1) DB Antragstrasse

2) Filderdialog Siegervariante "Erhalt der Gäubahn"

3) Bahnhof Flughafenstraße "der angeblich bessere Bahnhof"

Aufgrund der aktuellen Diskussion über die Filderanbindung beim Bahnprojekt S21 hat unser Vorstandsmitglied Frank Distel die drei hauptsächlich im Brennpunkt stehenden Fildervarianten - "Antragstrasse der Bahn", "Gäubahnerhalt", "der angeblich bessere Bahnhof unter der Flughafenstraße" mit Abbildungen, Vor- und Nachteilen gegenübergestellt.

Der eigentlich geniale Vorschlag der Schutzgemeinschaft Filder, anstelle des extrem teuren Fildertunnels und den Fernbahnhofsvarianten am Flughafen einen S-Bahn-Ring Vaihingen-Flughafen-Wendlingen (Strecke entlang der Autobahn identisch mit Neubaustrecke) aufzubauen, wurde hierbei nicht berücksichtigt, da diese Variante wegen der politischen Weichenstellung derzeit eher unrealistisch erscheint - obwohl es die mit Abstand kostengünstigste und in Bezug auf den Regional- und S-Bahn-Verkehr effizienteste Lösung ist.

1. Antragstrasse:

Kosten laut Bahn einschl. "Rohrer Kurve" ca. 533 Mio. €

In der Abstimmung im Filderdialog letzter Platz von 5 Hauptvarianten und 2 Untervarianten (Bahnhofsvarianten); nur die Stimmen von Bahn und VRS!

Kläglich - Peinlich!

Vorteil: die "Durchlässe" des schräg und 26,4 m tief unter der Messe liegenden Flughafenbahnhofs sind beim Bau der Messe in deren UGs vorgehalten.

Nachteile:

  • Mischverkehr durch L.-E. und im S-Bahnhof - nur infolge Ausnahmegenehmigung Ramsauer, befristet bis 2035, möglich;
  • Doppelnutzung des S-Bahn-Terminals mit jeweils eingleisigem Gegenverkehr
  • der 8,5 Stockwerke (> 26 m) tief liegende Flughafenbahnhof ist sehr wahrscheinlich wegen unzureichenden Brandschutz und Fluchtwegen nicht genehmigungsfähig;

Die Bahn versucht seit 12 Jahren vergeblich, eine Planfeststellung einzuleiten.
Bisher hat das EBA die Pläne zurückgewiesen. Neuerdings behaupten Bahn und VRS den Durchbruch...

  • extrem störanfällig (eingleisiger Betrieb S-Bahn / Züge im S-Bahnhof).
  • sehr problematische Umsteigelogistik über 2 Bahnhöfe und 200 m Abstand.

2. Siegervariante "Erhalt der Gäubahn" auf der Panoramastrecke und Anbindung an den Tiefbahnhof mittels eines sog. "Kehrtunnels" beim Löwentor:

Kostenbilanz laut Schätzungen der S21-Gegner (qualitativ):

  • Entfallende Kosten: Umbau S-Bahn-Station; Wegfall Überleitung der Gäubahn auf die NBS aus und in Richtung Stuttgart; Wegfall Rohrer Kurve; Wegfall des Mischverkehrs und dessen umfangreichen Ertüchtigungsmaßnahmen

  • Zusätzliche Kosten: Umsteigepunkt Vaihingen (Gäubahn >< Flughafen); Kehrtunnel Löwentor (ca. 170 Mio., eingleisig 120 Mio.); Sanierung der Panoramastrecke (eigentlich seit 20 Jahren Sache der Bahn!)

Saldo: geschätzt ca. 480 bis 530 Mio., je nach Kehrtunnelstandard, also auf der sicheren Seite kostenneutral zur Antragstrasse, wie als Hauptprämisse gefordert.

Details: Es bleibt am Flughafen der neue Bahnhof (jede Variante denkbar, also nicht, wie im obigen Plan der DB AG dargestellt, nur der 26 m tiefe, vermutlich nicht genehmigungsfähige Bahnhof!), ca. 260 Mio. mit Überleitungen zur NBS; Vaihingen, ca. 80 Mio.; Sanierung Bestandsstrecke, ca. 20 Mio.; Kehrtunnel eingleisig (reicht bei der geringen Zugfolge der Gäubahn): ca. 120 Mio.

Im Filderdialog mit deutlicher Mehrheit von 63 Stimmen auf dem ersten Platz von allen Varianten!

Diese Variante ist (wie gesagt) mit jeder Variante eines Flughafenbahnhofs ("Antrag", NBS-Bahnhof in der durchlaufenden Fernstrecke, "Flughafenstraße") kombinierbar. Ebenso mit den Hauptvarianten "Neckar-Alb" (Gäubahn über Tübingen - Wendlingen-Flughafen) und "S-Bahn-Ring", dem Vorschlag der Schutzgemeinschaft Filder.

Vorteile:

  • Gäubahn bleibt dort, wo ca. 90% ihrer Fahrgäste hinwollen - nach Stuttgart;
  • kostenneutral!
  • kein Mischverkehr durch L.-E. und im S-Bahn-Terminal
  • beliebige Kombinierbarkeit;
  • keinerlei Störeinflüsse für den S-Bahn- und Zugbetrieb;
  • Panoramastrecke bleibt als Entlastungsstrecke für S-Bahn u. für Express-S-Bahn zum Flughafen erhalten.

Nachteile:

  • Prämisse "Gäubahn über den Flughafen" nicht eingehalten (jedoch: nur ca. 10% der Fahrgäste der Gäubahn wollen evtl. zum Flughafen!)
  • gewisse Durchbindungsprobleme Gäubahn-Nürnberg über Untertürkheim
  • keine Rohrer Kurve auf Kosten S 21 - für die Durchbindung der S 60 zum Flughafen muss der VRS auf seine Kosten sorgen
  • Panoramastrecke und dadurch Belastung der dortigen Anwohner bleibt wie bisher

3. Bahnhof "Flughafenstraße" (der angeblich "bessere" Bahnhof!):

Kosten laut Bahn: 757 Mio. € (plus 224 Mio zur Antragstrasse).

Abstimmungsergebnis im Filderdialog: 44 Stimmen, Platz 2.

Vorteile:

  • kein Eingriff in die S-Bahnstation; dort kein eingleisiger Mischbetrieb mehr;
  • infolge Tiefenlage von 15 m (5 Stockwerke) möglicherweise in Bezug auf Brandschutz und Fluchtwege eher genehmigungsfähig. Übrigens nach aktuellen Überlegungen nicht mehr doppelstöckig, wie noch oben dargestellt! Dafür - siehe Nachteile - nicht vollständig kreuzungsfrei.

Nachteile:

  • Stresstestfahrplan mit 49 Zügen/max.h nicht fahrbar; Bahnhof bewältigt die hinzu kommende Gäubahn nicht!
  • weiterhin Mischverkehr durch das dicht besiedelte Leinfelden-Echterdingen;
  • erheblich umfangreichere - und im Westen der Messe auch bleibende - Eingriffe in die wertvollen landwirtschaftlichen Flächen der Filder, siehe unten*
  • Zerstörung des Naturdenkmals "Langwieser See" und der Ausgleichsflächen des Messebaus; die jüngst diskutierte Variante "Kopfbahnhof für Gäubahn" und dadurch Verzicht auf die "Plieninger Schleife" stört den Fahrplan vermutlich noch stärker
  • Fahrstraßenkreuzung aufgrund des Verzichts auf Doppelstöckigkeit.
  • Ursprüngliche Absicht des Filderdialogs, den Fußweg zwischen Bahnhof und Flughafen zu verkürzen wird kläglich verfehlt. Gewinn: gerade mal 20 m!
  • Umsteigelogistik immer noch unbefriedigend (z.B. fahren unterschiedliche Züge nach Stuttgart für Ortsunkundige unlogisch in beiden Richtungen ab)

    *Folgender Plan der Bahn zeigt die Mehreingriffe in die Filder gegenüber der Antragstrasse: blau = Antragstrasse; rot = "Bahnhof Flughafenstraße".

Zu beachten: im Westen der Messe verläuft die rote Trasse weitgehend offen und zerstört damit bleibend die Nutzflächen der dortigen Aussiedlerhöfe! Die blauen Überleitungsschleifen der Antragstrasse verlaufen ausschließlich im Tunnel.

Bitte nicht dem Missverständnis unterliegen, die Antragstrasse sei dadurch die bessere Lösung! Sie hat wesentliche andere Nachteile; siehe oben.

Fazit: Die Vorteile des Bahnhofs "Flughafenstraße" liegen überwiegend auf Seiten der Bahn, weil vermutlich nur diese Pläne trotz ihrer umfangreichen Nachteile letztlich genehmigungsfähig sind. Folglich hat die Bahn auch die Mehrkosten zu tragen.

Es bleibt dabei: die Variante "Erhalt der Gäubahn" ist und bleibt die beste und relativ kostengünstigste Lösung auf den Fildern - sofern denn diese insgesamte Fehlplanung "Stuttgart 21" nicht mehr vermeidbar sein sollte.

In der Kombination mit dem Erhalt der Gäubahn (Verzicht auf die Führung der Gäubahn über den Flughafen) wäre der (in diesem Fall wesentlich einfachere) Bahnhof "Flughafenstraße" eine vernünftige Variante, weil die weit ausgreifenden Überleitungsschleifen auf Plieninger Markung (die ja nur für die Gäubahn notwendig sind!) und die Fahrplanprobleme entfallen würden. Allerdings blieben die Eingriffe im Westen der Messe.

zusammengestellt:

Ostfildern, 24.03.2013
Frank Distel

Von: Frank Distel

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!