Dienstag, 27. Juli 10

Ausnahmegenehmigung ist ein schwerer (Herz-)Fehler - Offener Brief an Minister Ramsauer gegen die S-21 Ausnahmegenehmigung für die Filder

Der Vorsitzende der „Schutzgemeinschaft Filder“ (SGF), Steffen Siegel kritisiert die am 22.6. bekannt gewordene Ausnahmegenehmigung für den Filderabschnitt von Stuttgart 21 (IC auf der S-Bahnstrecke zwischen Vaihingen und Flughafen) heftig und meinte sarkastisch: „Das Herz Europas hat schon lange vor der Geburt einen schweren Herzfehler“. Die Sicherheitsprobleme der Fildertunnel sind  so gravierend, dass sich Verkehrsminister verschiedener politischer Färbung über Jahre hinweg geweigert hatten, eine solche Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Siegel: „Man sieht, dass mit aller Gewalt ein unsinniges Projekt durchziehen will.“

Die SGF erinnert an die Flughafenerweiterung in den 90er Jahren. Diese wurde  mit dem vorgeschobenen Argument „Bei der Sicherheit darf es keine Kompromisse geben“ durchgedrückt.  Bei den Fildertunnelstrecken, wo offenkundig schwere  Sicherheitsprobleme auftreten, heißt es anscheinend plötzlich: Bei der Sicherheit darf es ganz faule Kompromisse geben´. In ähnlich gelagerten Fällen wurden noch nie solche Ausnahmen erteilt.

Das ganze ist nicht nur eine harmlose Provinzposse: Man stelle sich eine brennenden Fernbahnzug im Tunnel ohne ausreichenden Raum für einen Fluchtweg vor, womöglich noch mit einem Zug im Gegenverkehr und erinnere sich an die Katastrophe im Tunnel der Kapruner Bergbahn. Herr Ramsauer übernimmt dafür sicher nicht die Verantwortung.

Das für die Filderbewohner als Geschenk verkaufte Bahnprojekt ist ein einziger Murks
Jetzt wird endlich zugestanden, dass die von der S-Bahn und den Regional- und Fernzügen gemeinsam genutzte S-Bahntrasse durch L.-E. zu einer dramatischen Verschlechterung des S-Bahntaktes und ihrer Busanbindungen führt. Man mag sich nicht ausmalen, was für Auswirkungen auf alle Zugarten bis hin in den Stuttgarter Tiefbahnhof es hat, wenn auf dieser Strecke ein Zug hängen bleibt. Die Anwohner sind auch noch in anderer Hinsicht die Gelackmeierten: Für den offenen  Teil  der Trasse durch L.-E. versucht die Bahn nun ohne ein Planfeststellungverfahren durchzukommen, weil es ja eine schon bestehende Trasse sei. Dahinter steckt, dass dann die Bahn sich auch keine Gedanken um Lärmschutzmaßnahmen in L.-E. machen muss.

Zudem: Auf der S-Bahnstrecke können keine Doppelstockzüge verkehren, Neigetechnik darf nicht eingesetzt werden, nur spezielle Fenster- und Türen sind erlaubt. Fernzüge und S-Bahnen dürfen nicht denselben Bahnhof nutzen, da sie verschieden hohe Bahnsteige benötigen. Das modernste Bahnprojekt Europas ist ein schlechter Witz.

Das Jubeln der Herren Drexler und Co wird ihnen im Hals stecken bleiben, wenn das für die Messebahnhöfe samt Tunnel und für die Rohrer Kurve zwingend vorgeschriebene Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird.  Dieses wird Jahre in Anspruch nehmen und mit Gewissheit wird sich ein juristischer Schlagabtausch anschließen. Erst dann kann für die Filder eine Baugenehmigung erteilt werden. Trotzdem soll schon im nächsten Jahr mit dem Graben des Fildertunnels begonnen werden.“Das ist unverantwortlich, demokratiefeindlich und zynisch“, sagt Steffen Siegel.

Von: Steffen Siegel

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!