Fridays For Future Demo am 26.7. im Stuttgarter Flughafen, Rede von Steffen Siegel - Im Steigflug in die Klimakatastrophe

Am letzten Schultag vor den großen Sommerferien organisierte die nun schon legendäre Schülerbewegung eine große Demo im Zentrum der Filder - dem Stuttgarter Flughafen. 

Einer der Redner war Steffen Siegel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder:

Ich danke euch , - wie man leicht erkennt, bin ich längst über das Alter raus, wo ich noch die Schule schwänzte.

Inzwischen bin ich Vertreter der BI „Schutzgemeinschaft Filder “. Wir gründeten uns vor 52 Jahren (1967), - damals, als irgendwelche Verrückten planten, die fruchtbare Filderebene mit einem Interkontinentalgroßflughafen mit drei Startbahnen zu zerstören.

Wir konnten dies verhindern, aber die Zerstörungswut nahm dennoch ihren Lauf:

Riesenverlängerung der Startbahn,  Autobahn 4-6-8-spurig, Großmesse, Frachtzentrum, der Plan für den Bau einer 2.Startbahn konnte verhindert werden, dann Stuttgart 21…, usw.

Lasst mich die Dramatik der Klimaproblematik und insbesondere des Fliegens an Hand eines Gedankenspiels demonstrieren:

Stellt euch die Erde als Kugel mit 10 Meter Durchmesser vor, umgeben von einer Lufthülle, der Atmosphäre, in der sich die meisten Klimaprozesse abspielen.  Menschliches Leben ist in dieser Lufthülle ab ca. 6 km nicht mehr möglich. Das wären in unserem Modell etwa 5 mm.

Flugzeuge fliegen deutlich höher, -bis 10 km Höhe unter lebensfeindlichen Bedingungen. 10 km wären in unserem Modell etwa 8 mm. 

 Diese Lufthülle um unsere Erde ist also ein ganz dünnes, nur wenige Kilometer dickes Häutchen, das uns gegen das unendliche, unwirtliche Weltall schützt und durch das unser Leben auf der Erde erst ermöglicht wurde. In dieses empfindliche Häutchen blasen wir tagtäglich unvorstellbare Mengen von Gasen und Teilchen, die nicht der natürlichen Zusammensetzung der Luft entsprechen. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis das Gleichgewicht in der Atmosphäre, das sich über Jahrmillionen ausgebildet hat, nachhaltig gestört wird.

Besonders dramatisch wirken dort die Flugzeugabgase, die in etwa 6 bis 8mm Abstand (also ca. 8 bis 10 km) ausgestoßen werden. Zwar produzieren Flugzeuge aktuell „nur“  knapp 3% des CO2, aber die Abgase sind ein Cocktail aus CO2, Stickoxiden, Rußpartikeln und Wasserdampf (diese erzeugen klimaschädliche Kondensstreifen),  CO, HC, SO2, Feinstaub, Ultrafeinstaub usw. In großen Höhen, also bei extremem Unterdruck, tiefer Temperatur, starker UV-Strahlung,…  vervielfacht sich die Klimawirksamkeit dieser Abgase und diese Stoffe haben dort eine sehr lange Aufenthaltsdauer, schließlich gibt es nur einen geringen vertikalen Austausch.   Es bildet sich wohl allmählich eine Dreckschicht um den Globus.

Und deshalb gehen Forscher davon aus,dass Flugzeuge zwar aktuell nur für knapp 3 % des reinen CO2-Ausstoßes in die Atmosphäre verantwortlich sind, die Klimawirksamkeit der Flugzeuge aber wegen der gerade beschriebenen Ursachen etwa 3 bis 5 mal größer ist, d.h. sie schädigen das Klima im Bereich von über 10%

Und was machen der Flughafen, die Fluggesellschaften und die meisten Politiker? Sie schwärmen von noch größeren Wachstumsraten gerade auch beim Fliegen.

Letztes Jahr hatten wir in Stuttgart einen Zuwachs um 7%, auf lange Sicht rechnet man mit jährlich 5% Wachstum nicht nur hier, sondern weltweit und das hieße eine Verdopplung weltweit in 14 Jahren (2033).  

Das ist der Horror,-  pur!

Der Flughafen brüstet sich damit, dass er doch beim Treibstoffverbrauch immer effektiver werde, um ca. 1,5 % pro Jahr, nur, bei gleichzeitig 5% Wachstum wird man, absolut gesehen immer mehr und mehr ausstoßen.

Die Welt wird im Moment erkennbar zugrunde gerichtet und wir tun alles, um dies mit Hilfe des Klimakillers Flugzeug zu beschleunigen.

Und dann auch noch dies:

In einer ganzseitigen Anzeige in den Stuttgarter Nachrichten vom 29. März heißt es: Für 5,99 Euro nach Italien, also für ein Kännchen Kaffee!

Ja sind die denn verrückt?    Ist das nicht obszön? (auch 49 Euro wären obszön)

Immerhin sagtunser grüner Verkehrsminister und Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens, diese Billigflüge seien unanständig. Gut so-, nur gleichzeitig beugt er sich dem Wachstumswahn, indem er sagt, man könne das nachfragebedingte Wachstum nicht verhindern und die Airlines hätten einen Rechtsanspruch auf die Nutzung des Flughafens.   So ein Quatsch. 

Wenn mein Enkel fordert, täglich 3 Liter Cola trinken zu wollen und in Zukunft noch viel mehr, komme ich dem gewiss nicht nach, obwohl es doch nur nachfragebedingtes Wachstum wäre

Und schließlich schwärmt der Flughafen von Stuttgart 21,- man ist zuversichtlich, dass der Flughafen durch S21  jährlich bis zu 1,5 Millionen mehr Fluggäste bekommt.   Ja, wie denn das?

Stuttgart mit seinen im Tiefbahnhof geplanten, gerade mal 8 Durchgangs-gleisen, das sind  weniger als z.B. im Bahnhof Plochingen, - Stuttgart 21 lässt nicht einmal den von der Bundesregierung geplanten Deutschlandtakt zu.      

Warum „gewinnt“ dann aber der Flughafen? 

Ein Beispiel:  Züge aus Tübingen, Nürtingen, die bisher über Wendlingen, Plochingen, Esslingen nach Stuttgart fahren, werden an diesen Städten vorbei direkt zum Flughafen geführt, nur dort gibt es keine Wohnbebauung, nur die Möglichkeit,     fort zu fliegen. 

Die vergleichsweise umweltfreundliche Bahn wird folglich als Zubringer zum klimaschädlichen Fliegen missbraucht.       Verrückt oder?

 

Wir fordern seit Jahrzehnten:

1.    Besteuert endlich das Kerosin massiv und steckt das Geld in den Ausbau der
       Bahn, d.h. verteuert das Fliegen,  verbilligt und verbessert das Bahnfahren!

2.    Untersagt Kurzstreckenflüge  

3.    Erhebt Mehrwertsteuer auf internationale Flüge

4.    Führt endlich ein konsequentes Nachtflugverbot von mindestens acht Stunden
       ein

                                         usw. usw.

 Schlussbemerkung:

Ich danke euch für euren Einsatz für uns und für die Welt meiner Kinder und Enkel, und wünsche mir, leider nur mit geringer Aussicht auf Erfolg, dass der Flughafen sich euren Demos anschließt und vielleicht jeden Freitag folgende Aktion einführt:

                           FFF :       „Freitags flugfrei“    

Das wäre doch, angesichts der brütenden Hitze draußen, ein, wenn auch ein viel zu zaghafter Anfang, oder?

 

Steffen Siegel  (Schutzgemeinschaft Filder)    Panoramastr.64,   73765 Neuhausen,      T.: 07158 5850

Von: Steffen Siegel

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52 Jahre und kein bisschen leiser!