Schutzgemeinschaft Filder - Freitag, 17. November 2017
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50 Jahre Schutzgemeinschaft Filder

5 Stationen – bis zur 50-Jahr-Feier der Schutzgemeinschaft Filder am 17. November

Am 17. November feiert die Schutzgemeinschaft Filder e.V. in der Filderhalle ihr 50jähriges Bestehen, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Sie ist die einzige aktive Bürgerinitiative im Umweltschutzbereich, die bereits so viele Jahre für Natur, Heimat und Lebensqualität zusammenarbeitet. In fünf Teilbeiträgen stellen wir die vergangenen 50 Jahre vor.

Oktober 1967: Gründung der „Schutzgemeinschaft gegen Großflughafen e.V. in einem Nebenzimmer des Hotels „Post“ in Stuttgart Plieningen. 52 Teilnehmer kamen, darunter einige Bürgermeister aus Fildergemeinden. Anlass war der im Sommer veröffentlichte Generalausbauplan von Prof. Gerlach. Der Flughafen sollte nach diesen Plänen mit drei Startbahnen zu einem interkontinentalen Großflughafen ausgebaut werden. 1968 – erster Erfolg Nachtstartverbot: In enger Kooperation mit dem „Kommunalen Arbeitskreis Flughafen Stuttgart“ setzte die Schutzgemeinschaft ein Nachtstartverbot für Strahlflugzeuge durch. Es trat am 1. November 1968 in Kraft. 1970 Lärmschutzkommission und Lärmschutzbeauftragter:

Das Innenministerium des Landes Baden-Württemberg beruft eine Lärmschutzkommission ein, in die die Schutzgemeinschaft zwei Vertreter entsendet. Auf Drängen der Initiative wird zusätzlich ein Lärmschutzbeauftragter eingesetzt. Eine Fluglärm-Überwachungsanlage mit sieben Messstellen wird installiert

 

1970er Jahre Schutzgemeinschaft - am 17. November Jubiläumsfeier

 Die baden-württembergische Landesregierung mit Ministerpräsident Filbinger an der Spitze lehnt die Forderung der Schutzgemeinschaft nach sofortigen Schallschutzeinrichtungen, insbesondere für Schulen und stark belastete Wohngebiete, ab. Doch nach heftigen Auseinandersetzungen setzen Schutzgemeinschaft und Kommunen 1973 ein Landeverbot für Düsenflugzeuge durch. Ab diesem Zeitpunkt gilt ein allgemeines Nachtflugverbot für Starts von 23 Uhr bis 6 Uhr. Ausgenommen blieben Nachtpostmaschinen, Starts und Landungen in Not- und Katastrophenfällen sowie Maschinen mit Sondergenehmigungen. Gutachter Kossak schlägt eine „Interimsstartbahn“ bei Bernhausen vor. Sie wäre nur wenige Meter vor den Balkonen der Wohnhäuser am Rande Bernhausens verlaufen. Nach der Ablehnung dieser Variante durch Schutzgemeinschaft und Gemeinden wird bekannt, dass die Landesregierung die Sanierung des Flughafens mit einer Verlängerung der Startbahn um 1380 Meter verquicken will. 1978 wird das lauteste Jahr seit Bestehen des Flughafens. Am 1. Dezember findet eine Flughafen-Hearing mit Ministerpräsident Späth unter großer Beteiligung der Bevölkerung in der Rundsporthalle in Bernhausen statt. Drei Wochen später, am 21. Dezember 1979 fällt der Ministerratsbeschluss zur Verlängerung der Startbahn und der Verlegung der Autobahn.

 

1980er Jahre - Zehntausende Einsprüche gegen Startbahnverlängerung

Alle Städte und Gemeinden auf den Fildern, der Kreistag Esslingen und der Stadtrat in Stuttgart lehnen die Pläne für eine Startbahnverlängerung Anfang der 1980er Jahre ab. Kommunen und die Schutzgemeinschaft übernehmen Einspruchsberatungen. Innerhalb der gesetzten Frist gehen 41.509 Einsprüche beim Regierungspräsidium gegen die Flughafenausbaupläne ein. Die Zusammenarbeit zwischen Bürgerorganisation und Kommunalverwaltungen wird als einmalig in der Bundesrepublik gelobt. Der Kommunale Arbeitskreis gibt beim Schweizer Gutachter Urs Graf ein Sicherheitsgutachten in Auftrag. Die ICAO in Montreal und britische Experten bestätigen das Ergebnis des Gutachters, wonach aus sicherheitstechnischen Gründen keine Verlängerung der Startbahn um 1380 Meter notwendig ist. Die dadurch notwendige neue Planauflage erhält weitere 42.324 Einsprüche.

1987 folgen vier Wochen Erörterungsverhandlungen. Trotz besserer Argumente so OB Koch aus Ostfildern, erfolgt am 30. September 1987 der Planfeststellungsbeschluss für die Verlängerung der Startbahn um 1380 Meter.  Die Schutzgemeinschaft zieht vor Gericht, unterliegt aber. Zu Beginn der 1990er Jahre beginnt der Flughafen Stuttgart seine Startbahn auszubauen. Der Widerstand hat jedoch auch Wichtiges erreich: Die Autobahn durfte aus hydrogeologischen Gründen nicht in einen elf Meter tiefen Einschnitt verlegt werden. Der Erlachsee zwischen Neuhausen und Denkendorf durfte nicht für das Auffangen der Autobahnabwässer missbraucht werden. Die Weidacher Höhe durfte nicht abgeholzt werden. 

 

 

1993-2004: 50 Jahre SG Filder: Messe frisst Felder und Demokratie

Die Zeit zwischen 1993 und 2004 ist ein Lehrstück für die Demokratie. Auf der einen Seite stehen rund 150 Grundstücksbesitzer, denen das Land gehört, auf denen Ministerpräsident Erwin Teufel und das Land Baden-Württemberg, die Stadt und die Region Stuttgart die Messe bauen wollen. Die Eigentümer solidarisieren sich mit den sechs betroffenen Landwirten; genauso die Schutzgemeinschaft Filder, die von vielen Menschen auf den Fildern unterstützt wird und eng mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen unter OB Fischer zusammenarbeitet. Den Widerstand letztendlich gebrochen hat ein extra geschneidertes Gesetz der Landesregierung. Die baden-württembergische Regierung ließ eine „Lex Messe“ erstellen und verabschieden, als ihr nachgewiesen wurde, dass sie für eine Messe nicht enteignen kann. So geschah es dann, dass mehr als 100 Hektar bester Filderboden unter Messe-Beton begraben wurde. Dabei hätte sich in den 1990er Jahren das Böblinger Flugfeld als guter Alternativstandort für eine Messe angeboten.

 

Jubiläumsveranstaltung in Leinfelden am 17.  November   

Die 5. Dekade der SG Filder begann mit den Plänen für eine 2. Startbahn im Jahr 2007. Ein Sternmarsch mit 15.000 Teilnehmer*innen am 12. April 2008 zu den beiden bedrohten Bauernhöfen brachte die Wende. Schon am 15. April stellte die Koalitionsrunde der CDU und FDP die Ausbaupläne in Frage. Und am 25. Juni verkündet Ministerpräsident Öttinger das Aus für die Pläne! Die Erleichterung der Filder-Bevölkerung und der Kommunen war riesig.

 

Lärmaktionsplan, Filderdialog zu S-21, Berliner Kompromiss 3. Gleis, Klage gegen S-21 auf den Fildern – das sind einige der weiteren Themen, die dann folgten. Vor kurzem drängte sich wieder das originäre Thema der Bürgerinitiative in den Vordergrund: der Schutz der Felder (Filder heißt Felder!). Denn praktisch alle Kommunen auf den Filder planen, weiteres Filderland zu überbauen. Deshalb steht der Festvortrag am 17. November unter dem Thema: Bodenschutz. Die zwei Experten für Boden/Ökologie, Prof. Munch und Prof. Nobel, werden auf das schützenswerte Gut, den Boden, eingehen. Zuvor spricht der Hausherr der Stadt Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk, ein Grußwort. Der Verkehrsminister des Landes, Winfried Hermann, hält die Laudatio. Der Vorsitzende der SG Filder, Steffen Siegel, wirft einen Blick zurück und nach vorne. Walter Sittler aus Stuttgart überbringt seine Wünsche an die Schutzgemeinschaft. Und das Orchester Albi Hefeles bringt uns in Feierstimmung und lädt zum Tanz. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei!  

 

 

 

Von: Gabi Visintin