Mittwoch, 10. Mai 06

Presseinformation: Allgemeine Empörung über die Logik des Flughafendirektors

Landwirte: In der Strukturkommission war von einer neuen Startbahn nie die Rede !

 

Schutzgemeinschaft:  Flughafendirektor spielt mit falschen Karten             
“Der Flughafen hat jetzt die Katze aus dem Sack gelassen”, kommentiert die Schutzgemeinschaft Filder die �u�erungen des Flughafenchefs Georg Fundel, der im Gegensatz zu seiner bisherigen Position betont, dass eine Flughafen-Westerweiterung ohne zweite Startbahn nicht logisch ist.
Die Landsregierung dagegen sagt, dass eine zweite Startbahn derzeit nicht zur Diskussion steht. Nimmt man Fundels Aussage und die Aussage der Landesregierung ernst, so hie�e dies logischerweise: Wenn es keine zweite Startbahn geben soll, dann ist auch die geplante Westerweiterung hinf�llig! Die Schutzgemeinschaft ist schon lange dieser Auffassung!

 

Bereits im vergangenen Jahr hat die Schutzgemeinschaft Filder darauf aufmerksame gemacht, dass die geplante Westerweiterung des Stuttgarter Flughafens (25 ha bis zum Polstermarkt nach Echterdingen) nicht notwendig ist, sondern nur weitere Expansionspl�ne bis hin zu einer zweiten Startbahn bef�rdert. Die 20 bis 40 Flugzeugabstellpl�tze der geplanten Westerweiterung sind in der Hauptsache auf den Bedarf der stark gewachsenen Billigfluglinien zur�ckzuf�hren. Steffen Siegel, Vorsitzender der SG Filder: “Nun ist es raus: Der Flughafenchef hat jahrelang die Bev�lkerung und die Politiker an der Nase herum gef�hrt, um allen die Westerweiterung schmackhaft zu machen. Mit der Westerweiterung bezweckte der Flughafen nat�rlich schon immer den Einstieg in den luftseitigen Ausbau des Flughafens, das hei�t, in eine zweite Startbahn. Diesen Zusammenhang zu verschweigen, war eine bewusste T�uschung des Flughafendirektors!”

 

Diesen Einstieg in den Startbahnneubau will die Schutzgemeinschaft gemeinsam mit den Landwirten und den B�rgerinnen und B�rgern von Altbach im Neckartal bis Sch�naich und Holzgerlingen im B�blinger Landkreis verhindern. Zudem geht die B�rgerinitiative davon aus, dass auch die Kommunen rings um den Flughafen und im Flughafen-Korridor dabei helfen, das Einfallstor “Westerweiterung” zu schlie�en. Derzeit liegen die Westerweiterungspl�ne beim Regierungspr�sidium Stuttgart und warten bis der Flughafen den Startschuss f�r das Planfeststellungsverfahren gibt. Flughafendirektor Fundel f�hlt sich dabei auf der sicheren Seite, da der Regionalplan, der die M�glichkeit f�r eine Messe und eine Westerweiterung des Flughafens beinhaltete, im Rahmen der Messe-Auseinandersetzungen vom Leipziger Bundesverwaltungsgericht best�tigt worden war. Die Schutzgemeinschaft betont jedoch, dass der Regionalplan noch lange kein Freifahrschein f�r einen Flughafenausbau darstellt. Steffen Siegel:”Damit ist �berhaupt nichts dar�ber ausgesagt, ob der Flughafen auf dieser Fl�che auch wirklich bauen darf. Erst in einem Planfeststellungsverfahren wird gekl�rt, ob ein Ausbau zwingend erforderlich ist und insbesondere, ob der Bev�lkerung immer noch mehr Belastungen zugemutet werden d�rfen.” Die Schutzgemeinschaft stuft das Recht der Menschen auf Gesundheit h�her ein als das rein betriebswirtschaftliche Interesse des Flughafens, den Billigfliegern noch mehr Raum zu schaffen.

 

Ein entscheidendes Argument gegen die Expansionspl�ne des Flughafens ist die Vernichtung weiterer wertvoller Filderb�den. Seit Jahrzehnten kommen die Landwirte immer mehr in Bedr�ngnis. �ber 200 Hektar Land hat die Landwirtschaft in den 1990er Jahren an die Startbahnverl�ngerung verloren. Zum Jahrtausendwechsel fra� die Erschlie�ungsstra�e f�r das Frachtzentrums im Norden Bernhausens weiteres Land. Die Messe raubte den Landwirten in Echterdingen und Plieningen weitere 120 Hektar.

 

Walter Vohl, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauernverbands Esslingen: ” Die Landwirte auf den Fildern suchen h�nderingend nach Pacht- und Eigenland - sie werden immer mehr an den Rand gedr�ngt.” Die den Landwirten entzogenen Fl�chen f�r die Messe sind bis jetzt noch nicht vollst�ndig ausgeglichen. Jetzt bereits den n�chsten Eingriff anzuk�ndigen ist laut Vohl mehr als unverst�ndlich, weil auch in den Sitzungen der Strukturkommission immer Vertreter des Flughafens anwesend waren und nie �ber eine zweite Startbahn gesprochen wurde. Gerade aber die vom Ministerium f�r Ern�hrung und L�ndlichen Raum eingesetzte Strukturkommission w�re das richtige Forum gewesen, die Pl�ne vorzustellen. Dort sa�en alle an einem Tisch - Stadt, Land, Ministerien, Region, RP, Landkreis und Bauern - um alle Planungen auf den Fildern zusammenzuf�hren und Interessenkonflikte zu diskutieren und m�glichst zu beheben. Walter Vohl zu Fundels Pl�nen: “Fundel macht mit der Salamitaktik der letzten Jahrzehnte weiter und f�r uns Bauern bleibt nicht einmal der Zipfel. Wir lassen uns die erst vor kurzem von der Flurbereinigung zugeteilten Fl�chen nicht schon wieder wegnehmen!”
 
Gemeinsam mit den Filderlandwirten fordert die Schutzgemeinschaft, dass endlich ein Freiraumkonzept erstellt wird, das unangreifbare Gr�n- und Landwirtschaftszonen festlegt. Steffen Siegel: “In unserem Ballungsraum sind Landwirtschaft und Natur einzigartig und wertvoll. Einmal zerst�rt, sind sie f�r immer verschwunden. Es darf nicht zugelassen werden, dass auf den fruchtbaren Fildern ein Siedlungsbrei entsteht und die Bev�lkerung immer noch mehr L�rm und Abgasen ausgesetzt wird. Und schlie�lich wird auch das Verkehrschaos vorprogrammiert. Georg Fundel kann froh sein, wenn der bestehende Flughafen erreichbar bleibt.”

 

Eine erste gemeinsame Aktion der L�rmbetroffenen wird am Mittwoch, den 17. Mai 2006 um 19.30 Uhr im B�rgerzentrum Filderstadt-Bernhausen stattfinden. Referieren wird Dr. Werner Reh, Referent f�r Verkehrspolitik vom Bund f�r Umwelt- und Naturschutz (BUND) aus Berlin. Der L�rmexperte wird die Expansion der Flugh�fen durch Billigflieger und die Auswirkungen auf die Gesundheit thematisieren.

 

 

 

 

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!