Dienstag, 02. November 04

STZ: "Bei Stadion und Messe drohen Verz�gerungen"


Quelle: Stuttgarter-Zeitung 02.11.04

 

Streit um Kassenzugangssystem f�r die Arena und den Hallenbau auf den Fildern - Unterlegene Firmen rufen Vergabekammer an
 
Zwei Firmen, die sich beim Stadionumbau und dem Messeneubau um �ffentiche Auftr�ge bem�ht haben, f�hlen sich betrogen. Die F�lle werden derzeit juristisch gepr�ft. M�sste neu ausgeschrieben werden, br�chte das die Bauherren wohl in Verzug.

 

Von J�rg Nauke

 

W�hrend auf den Fildern die Bagger das Areal in eine Kraterlandschaft verwandelten, schrieb die Projektgesellschaft Neue Messe in einer ersten Runde 48 Lose �ffentlich aus. 45 Lose wurden nach Aussage von Pressesprecher Christian Witt in diesem strengen Verfahren vergeben, eines habe man aufgehoben, zwei Vergabeentscheidungen seien angefochten worden. In diesen zwei strittigen F�llen handelt es sich nach Informationen der StZ um zwei Lose mit einem Umfang von zusammen etwa 42 Millionen Euro f�r den Rohbau einer Halle und eines Eingangs.

 

Eine bei der Ausschreibung unber�cksichtigt gebliebene Baufirma hatte sich �ber die Bevorzugung einer Arbeitsgemeinschaft von zwei Unternehmen beschwert - und von der beim Landesgewerbeamt angesiedelten Vergabekammer Recht bekommen. Kammerchef Joachim Braun sagt, der von der Projektgesellschaft Neue Messe bevorzugte Bieter habe bei seinem Angebot Positionen ver�ndert. Das sei verboten. Der Bauherr ist aufgefordert, �ber den Zuschlag neu zu entscheiden - und den ertappten S�nder dabei au�er Acht zu lassen. Gegen diesen Beschluss habe die Projektgesellschaft Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt, sagt Witt. Dar�ber wird nun am 15. November der zweite Vergabesenat befinden.

 

W�hrend am Verfahren Beteiligte sagen, f�r den Zeitplan der Messe w�re es “eine Katastrophe”, m�sste das Ausschreibungsverfahren wiederholt werden, sagt Christian Witt: “Stand heute” komme es weder bei einem negativen noch einem positiven Beschluss des Gerichts zu einer zeitlichen Verz�gerung des Messebaus.

 

Am kommenden Mittwoch muss sich die Vergabekammer mit einem weiteren Stuttgarter Projekt besch�ftigen. Die Stuttgarter Firma Interflex hat der Stadt in einem �ffentlichen Vergabeverfahren ihr elektronisches Ticket- und Zugangskontrollsystem f�rs Stadion angeboten, das geeignet w�re, die Voraussetzungen f�r die WM 2006 zu erf�llen - hat dabei aber den K�rzeren gezogen. Das will sich der Produktmanager Uwe Hofmann nicht gefallen lassen. Er habe Anhaltspunkte f�r Ungereimtheiten bei der Bewertung der Angebote. B�rgermeister Dirk Th�rnau (SPD) will vor einer Stellungnahme die Verhandlung abwarten. Die Vergabekammer hat die Ausschreibung, zu der auch die Kabelarbeiten f�r das Zugangssystem rund um das Stadion z�hlen, erst einmal gestoppt. M�sste auch in diesem Falle neu ausgeschrieben werden, k�nnte wohl erst im n�chsten Fr�hjahr mit den Grabungen begonnen werden.

 

Die Drehkreuze und Kartenleser werden im Daimlerstadion seit vier Jahren im Bereich der Haupttrib�ne getestet. Das macht die Firma Interflex, die die Testl�ufe werblich nutzt und auch den Zuschlag f�r das Frankfurter WM-Stadion erhielt, auf eigene Kosten. Auch die 6500 Dauerkarten mit Chip habe man dem VfB geschenkt, sagt Hofmann. Die Stadt goss lediglich die Fundamente, auf denen die Kartenleser stehen. W�rde Interflex in Stuttgart den K�rzeren ziehen, liefe der VfB Gefahr, bald ohne Kontrollger�te dazustehen. Die Firma schlie�t nicht aus, sie sofort abzubauen, der Bundesligist m�sste dann manuell kontrollieren. Weil die Chipkarten nicht gelocht werden k�nnen, w�re einem Betrug T�r und Stadiontor ge�ffnet.

 

Uwe Hofmann sagt, ihm sei klar, dass bei einer �ffentlichen Ausschreibung keine “Treuerabatte” anerkannt werden k�nnten; das Unternehmen mit 440 Besch�ftigten hat sich den juristischen Beistand vor allem deshalb geholt, weil es Klarheit haben will, ob das Verhandlungsverfahren ordnungsgem�� durchgef�hrt wurde. Seit Interflex Akteneinsicht gew�hrt wurde, fragt sich Hofmann, ob es in Ordnung war, dass er nach Abgabe des ersten Angebots (von 1,52 Millionen Euro), im vorderen Feld liegend, aus dem Rennen geworfen wurde und ihm so die Chance genommen wurde, ein g�nstigeres zu machen? Laut Akten habe von sechs Firmen ohnehin nur Siemens mit 1,32 Millionen Euro die erste Runde �berstanden; dabei seien Kosten von 120 000 Euro f�r drei Anzeigetafeln aber nicht enthalten gewesen.

 

Interflex will gekl�rt haben, ob es zul�ssig war, dass pl�tzlich der ebenfalls ausgeschiedene Kandidat Telekom (1,56 Millionen) wieder mitbieten durfte. Er habe Siemens zweimal unterboten, zuletzt zw�lf Minuten vor Abgabeschluss mit einer Offerte von 1,21 Millionen Euro. Das hat der Telekom aber nichts gen�tzt. Siemens, offizieller DFB-Technologiepartner, habe zwei Minuten vor Fristende ein nochmal um etwa 33 000 Euro g�nstigeres Angebot auf den Tisch gelegt - und dann auch den Zuschlag bekommen.

 

 

 

 

Von: Stuttgarter Zeitung

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!