Mittwoch, 25. August 04

Stuttgarter Zeitung: "Punktsieg f�r die Messegegner"


Quelle: Stuttgarter Zeitung 18.8.04

 

Bagger-Posse

 

Von Michael Ohnewald

 

Manchmal beginnt das Desaster in einem Konferenzraum, und keiner von drau�en kriegt es mit. In seiner Funktion als Chefplaner der umstrittenen Landesmesse hat Ulrich Bauer am Montag entschieden, dass am n�chsten Tag auf den Fildern der erste Bagger den Mutterboden abschieben sollte. Formaljuristisch ist an diesem Auftrag nichts auszusetzen. Der Projektmanager hat den roten Punkt, der zum Bau berechtigt. Und er kann sich auf Gerichtsurteile st�tzen, nach denen es m�glich ist, mit den Arbeiten f�r den Ausstellungskomplex zu beginnen, obwohl noch Klagen anh�ngig sind.

 

Aber dieser Fall hat noch eine andere Seite, die nichts mit juristischen Sachverhalten zu tun hat, sondern mit politischem Instinkt - und genau der ist Bauer abhanden gekommen. Erst vor zwei Wochen sa�en die betroffenen Landwirte im Staatsministerium und haben sich mit der Landesregierung auf das Ende ihres Widerstands und auf den Verkauf ihrer Felder verst�ndigt. Die Bauern hatten ihre Zusage freilich an die Bedingung gekn�pft, dass man ihnen bis Ende August Ersatzfl�chen anbietet. F�r den gestrigen Dienstag waren die Herren mit der Landsiedlung zu einem kl�renden Gespr�ch verabredet - und ausgerechnet an diesem Tag rollt zu fr�her Stunde der Bagger an. Wer taktisch derart ungeschickt ans Werk geht, der muss sich nicht wundern, wenn Bauern toben und Messegegner ihre Fahnen vor �ffentlich-rechtlichen Fernsehkameras schwenken.

 

In den vergangenen Wochen hatte sich der Widerstand auf den Fildern deutlich abgeschw�cht. Erst die klaren Niederlagen vor Gericht, dann die �berraschende Kehrtwende des Landwirts Walter St�bler, der als Frontmann der klagenden Bauern galt. Hinter dem R�cken seiner Kollegen hat er mit der Landsiedlung verhandelt und am Ende seine �cker verkauft. St�bler wird in Zukunft am Bodensee einen riesigen Hof bewirtschaften, er hat das Gesch�ft seines Lebens gemacht. Und schlie�lich folgte das Elefantentreffen in der Villa Reitzenstein, bei dem auch die �brigen Landwirte signalisiert haben, dass sie bereit sind, mit der Messe ihren Frieden zu machen. Die Vertragsunterzeichnung schien nur noch eine Frage von Tagen, dem Widerstand drohte das endg�ltige Aus.

 

Umso weniger ist die unn�tige Provokation des Ulrich Bauer zu verstehen. Statt zu warten, bis alles unter Dach und Fach ist, hat er vorzeitig die Bagger auffahren lassen und damit den fast schon resignierenden Messegegnern einen Motivationsschub verliehen. Obendrein hat Bauer auch einen Verhandlungserfolg des Landes leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Gestern drohten n�mlich die erbosten Landwirte pl�tzlich damit, ihre Felder doch nicht zu verkaufen und weiter den Klageweg zu beschreiten. Es folgte eine Krisensitzung, in der Bauer einlenken musste. Am Ende hie� es Kommando zur�ck f�r den von Widerst�ndlern blockierten Bagger und auch f�r die starken Polizeikr�fte. Bis 26. August wird kein Mutterboden abgetragen. Dann entscheidet der Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen, ob die Stadt ihren Widerstand aufgibt. Bis dahin d�rften die Landwirte unterschrieben haben.

 

Ulrich Bauer hat durch die peinliche Baggeraktion sein Gesicht verloren. Es war nicht sein erster Fehler. Der Mann mag im Amt bleiben. Aber er bleibt nicht in W�rden.

 

Von: Michael Ohnewald

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!