Schutzgemeinschaft Filder - Donnerstag, 20. September 2018
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Samstag, 11. Dezember 10

Stuttgart 21 - eine unheilbare Fehlplanung

16 Jahre Planung und die Bahn hat es bis heute nicht geschafft auch nur einen einigermaßen sicher funktionierenden Fahrplan zu erstellen.

16 Jahre Planung und trotz abwegiger Ausnahmegenehmigungen liegen bis heute keine aktuellen Pläne für den Filderabschnitt (mit den Bahnhöfen unter der Messe) vor. Es wurde dort nichts erörtert oder gar planfestgestellt.
Wie kann das Projekt Stuttgart 21 legitimiert sein, wenn man wesentliche Grundlagen nicht kennt und noch nicht einmal  mit den politischen Gremien oder gar der Bevölkerung darüber diskutiert hat?
Wie ist es möglich, im nächsten Jahr (2011) in Stuttgart mit dem Bohren des Fildertunnels zu beginnen, ohne am anderen Ende auf den Fildern eine
Baugenehmigung zu haben?

Zum Hauptbahnhof: 
Aus 16 Gleisen oben macht man 8 durchgehende, unterirdische. Diese können einiges schaffen aber, kaum hält ein Zug, muss er für den nächsten nachdrängenden Platz machen. Die meisten Kunden werden kaum einen Anschluss in vertretbarer Zeit mehr erhalten, und was macht man mit den vielen Zügen, die hier enden? Für die  weit überwiegende Zahl der Bahnreisenden ist Stuttgart Start- oder Zielbahnhof. Rückwärts rausfahren geht nicht. Jede Verspätung bringt das System an den Rand des Zusammenbruchs.
Und das in 16 Jahren Planung!
Die Gegner von S 21 brachten dies an die Öffentlichkeit, nicht die S 21 Planer.

Zur Neubaustrecke Wendlingen-Ulm:
Hauptbegründung für diese Neuplanung war es, die Filstalstrecke über Göppingen, Geislingen zu entlasten und das Problem mit den Güterzügen an der Geislinger Steige, wo heute noch zusätzliche Schiebeloks eingesetzt werden müssen, zu entschärfen.
Absurderweise schafft die Neubaustrecke nur wenige Schnellbahnen in der Stunde,  ist auf längerer Strecke steiler als die Geislinger Steige, muss 160 m mehr Höhe überwinden und ist für Güterzüge ungeeignet. Außerdem kostet sie wesentlich höheres Trassenentgelt.  Die wenigen ICE´s, die von der Filstalstrecke abzogen werden, sollen nun dort durch mehr, wesentlich lautere Güterzüge ohne Lärmschutzmaßnahmen ersetzt werden.
Und dafür 16 Jahre Planung!
Die Gegner von S 21 brachten dies an die Öffentlichkeit, nicht die S 21 Planer.

Zum Filderabschnitt: 
Die Stilllegung der Gäubahntrasse über Vaihingen ist ein fachlich nie wieder gut zu machender Fehler. Alle Züge der Gäubahn sollen im Mischverkehr auf  den vorhandenen S-Bahngleisen zum Flughafen fahren. Es gibt mehrere höhengleiche Fahrbahnkreuzungen, es gibt eingleisige Stücke, die im Gegenverkehr betrieben werden müssen, die Gäubahn schwenkt in die Schnellbahntrasse aus Ulm ein und macht sich auch noch den Platz mit den Zügen aus Tübingen streitig. Fachleute sprechen von einem „hohen Stabilitätsrisiko“. Die Einfädelungen an der Engstelle ´Rohrer Kurve´ aber auch an der Engstelle  ´Wendlinger Kurve´ sind kaum beherrschbar.  Kleine Verspätungen wirken sich kumulierend bis in den Tiefbahnhof aus.
Und dafür 16 Jahre Planung!
Die Gegner von S 21 brachten dies an die Öffentlichkeit, nicht die S 21 Planer.

Zum Flughafenanschluss:

Die Planer behaupten unentwegt, der Bahnanschluss des Flughafens würde mehr Fluggäste auf die Bahn bringen.  Das ist absurd. Ein direkter Flughafenanschluss bringt zusätzlich Passagiere und zieht nichts ab.  Auf den Fildern steigt kein Passagier in die Bahn, um nach Frankfurt oder nach München zum dortigen Flughafen zu fahren. Der Flughafen selbst sagt, durch S 21 werden 1,2 Millionen Menschen mehr fliegen.  Diese Leute treten mit ihren sich vollständig widersprechenden Aussagen in der selben Schlichtungsrunde auf?
Und das nach  16 Jahren Planung!
Oder will man die Filderbahnhöfe, damit durch die Hintertür die Voraussetzungen für eine zweite Startbahn geschaffen werden?

Die Kosten des Gesamtprojekts:

Die offizielle Kosten stiegen kontinuierlich und jedes Mal wurde gesagt, es sei endgültig, es handle sich um das am besten gerechnete Projekt:   1995 waren es  4 Milliarden,    2004 dann  5 Mrd.  und schließlich   2010    7 Mrd.
Dagegen kommen unverfängliche andere wie der Bundesrechnungshof,  das Umweltbundesamt oder das Büro Vieregg-Roessler  heute auf 10 Milliarden,
- mindestens.

Das Gesamtprojekt -S 21 und Neubaustrecke- ist unheilbar fehlgeplant. Inzwischen wird immer klarer: Allein eine Ertüchtigung des bestehenden Systems mit Kopfbahnhof ist bahnbetrieblich deutlich besser als Stuttgart 21. Was erst, wenn man z.B. einen S-Bahnring auf den Fildern baut oder ein Zusatzgleis im Neckartal oder hervorragenden Lärmschutz im Filstal oder Güterverkehr nördlich um Stuttgart herum nach Augsburg leitet usw.! Oder geht es bei S 21 vorrangig gar nicht um mehr Mobilität, sondern um mehr Immobilien?

Verfasser: Steffen Siegel im November 2010

Von: Steffen Siegel