Schutzgemeinschaft Filder - Donnerstag, 20. September 2018
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Montag, 20. Dezember 10

Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder, Steffen Siegel, spricht auf S 21 Montagsdemo

Steffen Siegel: Oben bleiben

Steffen Siegel hat auf der xx. Montagsdemo die Problematik des Bahnprojekts im Zusammenhang mit der Filder aufgezeigt. Vor rund 5000 Zuhörern kritisierte Siegel die Bahn scharf, die mit dem Bau in Stuttgart begonnen hat ohne das der Filderabschnitt planfestgestellt ist. Mit den Bau beginnen, ohne zu wissen wie es auf den Fildern weitergeht sei grob fahrlässig und ein Skandal - so Siegel.

Nachfolgend lesen Sie den Inhalt von Steffen Siegel's Rede:

“Ich grüße euch, liebe Freunde eines Bahnhofs mit ganz vielen Gleisen,
liebe Freunde herrlicher, alter standorttreuer Bäume.

Die sogenannte Schlichtung ist vorbei.
Der Riese, die Deutsche Bahn kam dabei gehörig ins Wanken.
Mappus und Gönner versuchten, sich an ihm festzuklammern.
Schuster floh aus dem Gefahrenbereich.
Heiner Geißler reichte dem schwankenden Riesen samt seinem politischen Anhängsel ein Paar miese Krücken in Form eines Schlichterspruchs, sonst wäre der Riese wohl gekippt und hätte dabei womöglich Mappus unter sich begraben.

Zum Thema:
Wir von den Fildern behaupten: Heiner Geißler unterschlägt in seinem Schlichterspruch bewusst die Probleme des Filderbereichs.

Im Schlichterspruch z.B. fordert Heiner Geißler für die Neubaustrecke Wendlingen –Ulm, dass  die vier dort noch nicht planfestgestellten, aber immerhin schon erörterten Abschnitte „so rasch wie möglich rechtlich abgesichert“ werden müssten. Er begründet dies groteskerweise folgendermaßen:   „da die Bahn mit den Bauarbeiten fortfahren will.“

Auf den Fildern dagegen, mit seinem Fernbahnhof unter der Messe, mit seinem Mischverkehr auf S-Bahntrassen, mit der windigen Ausnahmegenehmigung usw., für diesen nach dem Tiefbahnhof schwierigsten  Abschnitt  von S 21, wurden bisher noch nicht einmal Pläne veröffentlicht, es gab keine Anhörung oder Erörterung und damit erst recht keinen Planfeststellungsbeschluss.
Heiner Geißler weiß dies, das heißt, er hat  diesen dramatischen Umstand in seinem Schlichterspruch bewusst nicht angesprochen.

Heiner Geißler lobt in seinem Schlichterspruch raffiniert unsere Kopfbahnhofvariante als eine „attraktive Variante“.  Diese sei allerdings nicht umsetzbar, weil es dafür keine ausreichende Planung gäbe und er fährt wörtlich fort:
„Für Stuttgart 21 dagegen gibt es eine Baugenehmigung.“
So ein Quatsch!
Die Filder ist ein wesentlicher Teil von S 21 und dafür gibt es nicht den Hauch einer Baugenehmigung.

Der Filderbereich gilt als schlimmes Nadelöhr.
Die Gäubahnen müssen sich mit mehreren S-Bahnen  die Trassen streitig machen, mit den ICE´s aus Ulm, mit den Regionalzügen aus Tübingen usw., höhengleiche Kreuzungen meistern, Bahnhöfe nur einseitig befahren, eingleisige Stücke mit dem Gegenverkehr abstimmen usw. usw.
Dies alles ist fahrplantechnisch nicht beherrschbar.  Also blanker Murks.
Und das nach 16 Jahren Planung!

Aber auch auf anderen Gebieten vergisst Geißler die Filder: Zitat:
„Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum    Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden“.
„…die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen“.         Ja richtig!

Aber, damit müsste als erstes die Ausnahmegenehmigung für die viel zu engen auch von Fernzügen genutzten S-Bahntunnel auf den Fildern (und die muss er ja ehrlicherweise auch meinen)  zurückgenommen werden, wodurch eine völlig neue Planung nötig würde.
Aber auch der fünf Stockwerke tiefe Fernbahnhof unter der Messe kann im Störfall zu einer lebensbedrohlichen Falle werden. Dieser Bahnhof ist eigentlich nicht genehmigungsfähig.

Heiner Geißler fordert:
Die Gäubahn bleibt … erhalten und wird leistungsfähig…an den Tiefbahnhof angebunden“
Die logische Folgerung aus diesem Vorschlag ist es, den gefährlichen
und extrem störanfälligen Mischbetrieb auf der Filder-S-Bahntrasse völlig
aufzugeben und eine Anbindung der bestehenden Gäubahn an den Tiefbahnhof
einzuplanen. Dies wiederum bedingt wohl ein  9. und 10. Gleis im Tiefbahnhof, was ja der Chefplaner Prof. Heimerl ohnehin für zwingend notwendig hält.
Wenn die Gäubahn wieder direkt über Vaihingen nach Stuttgart fahren
sollte,  müsste man die angeblich so wichtige Flughafenanbindung aufgeben.
Glaubt ihr wirklich, die lassen sich 1,2 Millionen mehr Fluggäste durch die Lappen gehen? Und die zweite Startbahn lässt auch schön grüßen!

Heiner Geißler ist ein intelligenter Mensch. Es kann nicht sein, dass er nach diesem langen Schlichtungsverfahren dies alles nicht sieht. Was also steckt dahinter?
Hat er die Probleme des Filderabschnitts unterschlagen, weil eine Befassung damit unweigerlich zum Stopp der S-21-Planung geführt hätte?

Wie ist es möglich, im nächsten Jahr (2011) in Stuttgart mit dem Bohren des Fildertunnels zu beginnen, ohne zu wissen ob und wie es am anderen Ende des Tunnels auf den Fildern weitergehen soll?

Warum wird jetzt in Stuttgart mit den Ausschreibungen und mit den Baustelleneinrichtungen und dem Wassermanagement so hektisch weiter gemacht?
Bei „Wassermanagement“ denken die doch nicht etwa an eine Fortsetzung ihres Feldversuchs vom 30. September 2010 mit Wasser unter hohem Druck?

Wir fordern ein Innehalten, einen klaren Baustopp wenigstens bis die Filderprobleme gelöst sind.

Hier auf den Fildern muss mit mindestens 5 Jahren bis zu einer gerichtsfesten Baugenehmigung gerechnet werden. Also besteht überhaupt kein Anlass, teure Fakten zu schaffen, die man später vielleicht zurücknehmen oder mindestens verändern muss.
Wer im Jahr 2011 ohne Not mit dem Bau des Filderaufstiegsstunnels beginnt, handelt grob fahrlässig.

Und dennoch sagt Heiner Geissler:
„Dennoch halte ich die Entscheidung, S 21 fortzuführen, für richtig.“
Für Stuttgart 21 wurde bereits viel Geld zum Fenster raus geworfen.
Mit den noch ausstehenden ca. 9 Milliarden Euro könnte man locker K 21 bauen und (weihnachtlicher Einschub) die gesamte Trasse von Paris bis Bratislawa mit rotem Samt ausschlagen. Das letztere wäre zwar völlig unsinnig aber wenigstens nicht so schädlich wie Stuttgart 21.

Schließlich sagt Heiner Geißler: „Die Zeit der Basta-Politik ist vorbei“
Geißler sagt aber auch sinngemäß:
Baut weiter, auch ohne jede Baugenehmigung auf den Fildern, ohne dass die Finanzen geklärt sind, ohne das Problem des durch S 21 zunehmenden Flugverkehrs angesprochen zu haben, ohne die Ausnahmegenehmigung zu problematisieren, ohne das Nadelöhr Filder wirklich zu lösen, ohne den
30 Meter tiefen Fernbahnhof zu werten, an dem nur alle zwei Stunden ein ICE hält, ohne auf die mindestens 250 Meter Abstand des Fernbahnhofs vom  Gäubahn- S-Bahnhof einzugehen, ohne zu klären, was auf der Gäubahntrasse passieren soll,…usw.   eben einfach BASTA!   Mehr Basta geht nicht!

Fazit:
Stuttgart 21 ist nicht nur eine Fehlplanung,
Stuttgart 21 ist eine unheilbare Fehlplanung.
Kopf hoch!

 

Von: Steffen Siegel