Samstag, 15. September 07

Schutzgemeinschaft trauert um Kurt Oeser - Kämpfer gegen den Fluglärm

Prof. Dr. h.c. Kurt Oeser ist am 8.September in Mörfelden (Frankfurt) verstorben. Die Schutzgemeinschaft Filder e.V. erklärt:Kurt Oeser war der Mann der ersten Stunde in Sachen Kampf gegen  Fluglärm. Mit Hochachtung und Stolz denken wir an  sein Lebenswerk. Er war der Gründer und langjährige Vorsitzende der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, in der lange Zeit auch Liesel Hartenstein für die damalige “Schutzgemeinschaft gegen  Großflughafen Stuttgart” tätig war. Kurt Oeser war der Schutzgemeinschaft Filder e.V von Anfang an ein äußerst kompetenter und unverzichtbarer Ratgeber. Er zeigte sich immer  sehr verbunden, nicht zuletzt durch seinen Festvortrag  anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Filderschützer im Jahre 1997. Die Schutzgemeinschaft wird Kurt Oeser ein ehrendes  Gedenken bewahren.
Die Schutzgemeinschaft Filder e.V. ist Mitglied der Bundesvereinigung und hat in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen dafür gekämpft, dass die vom Fluglärm betroffenen Kommunen weiterhin Mitglied in der Bundesvereinigung bleiben bzw. dort (wieder) Mitglied werden.
 Steffen Siegel, für den Vorstand der Schutzgemeinschaft Filder e.V.

Kurt Oeser - ein Kämpfer gegen Fluglärm

Erklärung der Bundesvereinigung gegen Fluglärm:
Prof. Dr. h.c. Kurt Oeser ist am Abend des 8. September in Mörfelden-Walldorf gestorben.
Mit Kurt Oeser hat Deutschland einen wegweisenden großen Umweltschützer und überzeugten Christen im Denken und Handeln verloren.
Sein Wirken begann als Pfarrer in einer Gemeinde vom Fluglärm betroffener Menschen. Bereits 1965, als Fliegen noch ein Luxus und “Umweltschutz“ noch nicht Teil unseres Vokabulars waren, hatte Kurt Oeser die “Interessengemein-schaft zur Bekämpfung des Fluglärms“ in Mörfelden gegründet.
Rasch meldeten sich andere Betroffene aus ganz Deutschland. Kurt Oeser und seine Mitstreiter gründeten im November 1967 die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF). Bis 2001 war Kurt Oeser über drei Jahrzehnte ihr Präsident, danach ihr Ehrenpräsident.
Im Jahr darauf 1968, erfolgte durch ihn die Gründung der UECNA, die Europäischen Vereinigung gegen die schädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs (Union Européenne contre les Nuisance des Avions) in Straßburg.
Sein Wirken führte 1971 zur ersten Fluglärmgesetzgebung in Deutschland. In der Folge wurden erstmals Fluglärmkommissionen gebildet, in denen die vom Fluglärm betroffenen Kommunen ein Mitsprache- und Beratungsrecht gegenüber den Genehmigungsbehörden erhielten. Kurt Oeser selbst arbeitete lange in der Frankfurter Fluglärmkommission und weiteren Kommissionen anderer Flughäfen mit seinem Sachverstand mit. Zudem war er fast zwei Jahrzehnte Vorsitzender des sog. §32a-Ausschusses, einem Beratungsgremium für den Verkehrs- und den Umweltminister.
  
Kurt Oeser wirkte über seine Gemeinde hinaus. Seine Landeskirche ernannte ihn 1973 bis 1992 zu ihrem Umweltbeauftragten.
Kommunalpolitisch prägte er seine Heimat Mörfelden-Walldorf über drei Jahrzehnte als Stadtverordneter die Hälfte der Zeit als Vorsteher der Versammlung, 17 Jahre zudem als  Kreistagsabgeordneter.
Er hat das erste Umwelt–Gütesiegel den “Blauen Engel“ mit aus der Taufe gehoben und leitete über 20 Jahre dessen Jury. Bonn und später Berlin waren häufig Ziele seines Wirkens in Ministerien und Gremien.
Der Kampf gegen den Flughafenausbau in Frankfurt und die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Startbahn West, die zur größten Umweltbewegung in Deutschland werden sollten, waren entscheidend von ihm beeinflusst. Er war Vermittler und wurde auch Opfer polizeilicher Übergriffe.
Kurt Oeser erhielt die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule von Berlin und unterrichtete an mehreren Hochschulen mit Lehraufträgen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz am Bande und den Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Engagement führt immer auch zu Konflikten. Seine Hoffnung mit der sogenannten Mediation den erneuten Konflikt um den Ausbau des Frankfurter Flughafens in einem ausgleichenden Verfahren zu lösen, wurde von vielen früheren Mitstreitern nicht geteilt und kritisiert. Das dieser Tage heftig umkämpfte Nachtflugverbot, als Teil des Meditationsergebnisses, ist auf Kurt Oesers Betreiben dort fest verankert worden.
Mit seinem tief im christlichen Glauben verankerten Wirken wurde Kurt Oeser zu einem authentischen Vorkämpfer für den Erhalt der Schöpfung. Dabei blieb er immer nah am Menschen, voller Humor und Verständnis für Alltagsnöte.
Die Kraft zum Handeln fand er in der Familie und der Gemeinde. Ohne die jahrzehntelange Unterstützung seiner Frau Ruth wäre auch sein Wirken für die Bundesvereinigung gegen Fluglärm nicht so erfolgreich gewesen.
Mit seiner Tatkraft und Motivation war Kurt Oeser eine Säule unseres Handelns; durch ihn werden wir an unsere Wurzeln erinnert. Wir werden ihm dauerhaft ein ehrendes Gedenken bereiten und seine Ziele mit Engagement weiter verfolgen.
Präsident der BVF
Die Trauerfeier findet am Sonntag, den 16. September um 14 Uhr in seiner Gemeindekirche in Mörfelden, Langgasse 31 mit anschließender Beisetzung (15:45 Uhr) auf dem Waldfriedhof statt.


Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!