Mittwoch, 28. Dezember 05

Schutzgemeinschaft Filder zieht Jahres-Resumee:

Der Jahreswechsel ist Anlass für die "Schutzgemeinschaft Filder", auf das vergangene Jahr zurückzuschauen. "Im Gegensatz zu vielen Neu-Jahrs-Prognosen", betont die SG Filder, "werden die Vorhersagen der unabhängigen Experten und der Filderschützer jetzt Stück für Stück wahr”. Die SG Filder zieht ein trauriges Resumee.

Der Messebau hat furchtbare Wunden in die Filderlandschaft gerissen. Nach einem Jahr Messebau ist gleichzeitig die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Baus der sogenannten "Landesmesse" fraglicher denn je, stellt die SG Filder fest. Für sie ist das nichts Neues. Ihre Prognosen und Warnungen werden von der Realität bestötigt:

 Die Messen im baden-württembergischen Ländle leiden unter der Großmannssucht der Stuttgarter Messe: Unter den gegebenen Bedingungen des ausgereizten deutschen Messemarkts führt eine neue Messe zwangsläufig zu Kannibalismus unter den Messen, warnten unabhängige Wirtschaftsexperten der SG Filder. Nun ist die Sinsheimer Messe das erste Opfer der Stuttgarter Großmannssucht geworden. überraschend ist daran nur, dass sich das Land auch noch an der Abwerbung der Sinsheimer Schall-Messen nach Stuttgart beteiligte und darüber hinaus die Abwerbungskosten trägt. Möglicherweise wird das Land auch noch die "Ausgleichszahlungen" für die Sinsheimer Familie Layher, die mit dem Messeveranstalter Schall einen rund zwanzigjährigen Vertrag hat, übernehmen. Steffen Siegel, Vorsitzender der SG Filder. Für eine total verfehlte Landesstruktur-Politik zahlt letztendlich der Steuerzahler und dies in mehrfacher Weise: Das Land erhebt die Stuttgarter Messe zur Landesmesse und steckt Unmengen Geld in das Projekt, unterstützt damit indirekt die Zerschlagung bislang von ihm gefärderter Regionalmessen und wird zukünftig wahrscheinlich auch noch für die selbst provozierten Folgekosten der verarmten Messeregionen aufkommen.

 

 Schallmauer durchbrochen: Die Messe wird teurer als geplant und versprochen. In den vergangenen Jahren wurden die Kosten für die Messe kontinuierlich von 300 Mio Euro über 500Mio Euro (1 Milliarde DM) auf jetzt 806 Mio Euro hochgeschraubt. Am Ende wird das Prestigeobjekt rund 1 Milliarde Euro kosten, sagt die SG Filder voraus.
Die 806 Mio Euro wurden stets als absoluter Höchstwert festgeschrieben, der nie überschritten werden dürfe. Diese "Schallmauer" ist nun offiziell durchbrochen. Schon bei der Messe-Grundsteinlegung sprach OB Schuster ganz nebenbei von 10 Millionen Euro Mehrkosten. Jetzt steht es schwarz auf weiß im Wirtschaftsplan 2006/Vorbericht des Regionalparlaments: 
Die aus dem Vergleich mit den klagenden Landwirten resultierenden Mehrkosten sind durch den erzielten Kompromiss zur Befriedung der Filder gerechtfertigt .Die rund 10 Mio Euro Mehrkosten für die Messe setzen sich laut Bericht aus Mehraufwand durch höheren Kaufpreis und einigungsbedingten Folgekosen zusammen. Gabi Visintin, SG Filder Vorstand: Da die Grundstückspreise bei der Messe-Kalkulation bekannt waren, können damit nur die Mehrkosten für den Landwirt gemeint sein, der mit viel Geld aus der Abwehrfront herausgekauft wurde und damit die Bresche für die Messe geschlagen hat.

 

Und weiter im Vorbericht des Regionalparlaments: Maßgebend ist, dass ein für das Projekt existentielles Prozessrisiko mit ungewissem Ausgang überwunden ist. Die Chancen der klagenden Landwirte waren offensichtlich so gut, dass man zu den bekannten unseriösen Methoden auf Kosten des Steuerzahlers greifen musste.
Derzeit läuft die Klage gegen die Enteignung eines Grundstücks für die Messe, die von der SG Filder unterstützt wird. Gabi Visintin: "Diese Klage wird letztendlich vor dem Bundesverfassungsgericht landen und klären, ob wir Recht haben, dass eine Enteignung für einen Wirtschaftsbetrieb Messe verfassungswidrig ist."

 

 Negativschlagzeilen seit dem Beginn des ungerechtfertigten Baus der Messe reihen sich:
 -  Gegen jede Absprache wurde die Heerstraße lange Zeit geschlossen und erst nach massiven Beschwerden wieder geöffnet.  
-  Das Verwaltungsgebäude des Flughafens wird plötzlich doch nicht zur Messezentrale umgebaut sondern ein neues Gebäude auf "neuem Grund" geplant.
- das große Geschäft für die ortsansässigen Betriebe beim Messebau blieb aus. Dagegen greift die Projektgesellschaft nach den billigsten Geboten  auch auf Kosten der Arbeiter aus aller Herren Länder. So sollten z.B. die Eisenbieger sogar um ihren Lohn geprellt werden.
usw  usw

 

  Geänderte Bedingungen am Flughafen lassen Belastungsprognosen der Messe zur Makulatur werden: Bisher wurde stets betont, dass sich Messe und Flughafen nicht störten, weil der eine im Sommer, der andere im Winter "Hauptsaison" habe. Jetzt erwartet uns neben mehr Lärm und Dreck durch die Messe ein ganzjähriges Verkehrschaos. Denn der Flughafen erhöht seine Flugzahlen und damit die Belastung der schon genug gebeutelten Filderebene dadurch, dass er ohne Not Billigflieger herholt und das Winterdrehkreuz ausbaut. Damit steigt gerade auch im Winter der Autoverkehr rund um den Flughafen.

 

  Das gigantische Luftfrachtzentrum, das der Flughafen gegen den Widerstand der Schutzgemeinschaft und des Bernhauser Bürgervereins vor rund 5 Jahren gebaut hat steht zu einem Großteil leer. Das hatten Bürger-Experten vorausgesagt.
Nicht einmal ein Fünftel (15.000 Tonnen =18,7 %) der umgeschlagenen Fracht verlässt Stuttgart mit dem Flugzeug. Alle anderen Güter (65.000 Tonnen Fracht) werden mit Lkws weitertransportiert.

 

Somit summieren sich Flächenverbrauch, die Belastungen, wie Lärm, Abgase und Feinstaub. Steffen Siegel: Das gewissenlose Umgehen mit unseren natürlichen Ressourcen und das leichtfertige Abtun einer sichtbaren Klimaänderung werden unsere Kinder so richtig zu spüren bekommen.
Die Schutzgemeinschaft betont erneut ihre Forderungen nach einem Verschlechterungsverbot für die Filder, sie fordert einen Stopp des Flächenfraßes durch Messe, Flughafen und Kommunen und insbesondere einen Stopp der Flughafen-Westerweiterungspläne.

 

Neuhausen/Filderstadt, den 28.12.05

 

Steffen Siegel / Gabi Visintin

 

 

 

 

 

Von: Steffen Siegel

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!