Freitag, 10. Juni 05

Schutzgemeinschaft Filder mobilisiert gegen Ausbaupl�ne f�r Billigflieger

Schutzgemeinschaft Filder mobilisiert gegen Ausbaupl�ne f�r Billigflieger

 

�Flughafenwesterweiterung ist nicht n�tig und nicht vertretbar�

 

Leinfelden-Echterdingen 10.6.2005: Auf ihrer Pressekonferenz kritisiert die Schutzgemeinschaft Filder e.V. heftig die Ausbaupl�ne des Stuttgarter Flughafens, im Westen, bis zum Echterdinger Ortsrand, Raum f�r mindestens 20 Flugzeugabstellpl�tze zu schaffen. Die B�rgerinitiative fordert einen Stopp der weiteren Zerst�rung wertvollen Filderbodens und den Schutz der Bev�lkerung vor weiteren Belastungen durch L�rm, Abgase und Feinstaub.

 

�Der Stuttgarter Flughafen hat bis heute 400 Hektar beste Fildererde unter sich begraben und ist Quelle f�r immer st�rkere Belastungen f�r die rund 200.000 Filderbewohner,� stellt der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder fest. Mit dem Messebau wir derzeit weiteres Ackerland - mindestens 120 Hektar - unwiederbringlich zerst�rt. Die Schutzgemeinschaft fordert deshalb den Stopp der Flughafen-Westerweiterungspl�ne, deren Planfeststellungsverfahren f�r Ende 2005 bzw. Anfang 2006 angek�ndigt wurde. Die erneute Erweiterung nach dem Startbahnausbau und dem Bau des Frachtzentrums und seiner Erschlie�ungsstra�e beansprucht der Flughafen jetzt noch einmal 27 Hektar Filderland, das Landwirte und Obstbaubetriebe in zus�tzliche Land-Not st��t. Laut Aussagen der Flughafen-Gesch�ftsf�hrer sollen mit der Westerweiterung �mindestens 20� zus�tzliche Flugzeugabstellpositionen geschaffen werden. Derzeit verf�gt der Flughafen �ber rund 50 Flugzeug-Abstellpl�tze. Da die geplante Westerweiterung das Potential f�r etwa 40 Abstellpositionen birgt, rechnet die Schutzgemeinschaft damit, dass der Flughafen letztendlich eine Verdoppelung seiner Flugzeugparkpl�tze anstrebt.

 

Nach Angaben des Flughafens sollen damit vor allen Dingen der Billigflug und die Flugdrehkreuze, die der Stuttgarter Flughafen verst�rkt einrichten will, unterst�tzt werden. Derzeit z�hlt der Flughafen rund 300.000 Passagiere, die mit den Billigfluglinien German Wings und Hapag Loyd Express (HLX) fliegen. Das sogenannte Winterdrehkreuz bringt nach Angaben des Flughafens rund 3 Millionen Passagiere. 30 Prozent der Flugg�ste steigen dabei aus der Region zu, alle anderen Flugg�ste werden mit (kleinen) Flugzeugen nach Stuttgart eingeflogen und dort in die Ferien-Flugzeuge verfrachtet. Der Clou dabei ist: Sie werden einmal als ankommende G�ste und noch einmal als wegfliegende G�ste � also doppelt � gez�hlt.

 

Dr. J�rg Schnellbach, Vorsitzender des B�rgerverein Bernhausen Nord-West e.V. und f�r die SG Filder in der Flugl�rmkommission, kritisiert die Wachstumspolitik des Flughafens scharf und sieht darin auch die Gefahr, dass mit der geplanten starken landseitigen Ausweitung des Flughafens auch eine Aush�hlung des hart erk�mpften Nachtflugverbots (genauer gesagt: der Nachtflugbeschr�nkungen am Stuttgarter Flughafen) einhergeht: �Ein weitere Ausbau des Stuttgarter Flughafens f�r einen k�nstlich erzeugten Bedarf ist aus gesundheitlichen Gr�nden nicht m�glich. Er ist aber auch nicht n�tig � erst recht nicht, wenn man wei�, wie instabil � wirtschaftlich betrachtet � die Billigfliegerei ist.�

 

Der Umweltingenieur und L�rmexperte Hans-Peter Kleemann verweist denn auch auf die gro�en Belastungen der Filderbev�lkerung durch L�rm, Abgase und Feinstaub. Schlie�lich h�ren die Menschen den L�rm jedes einzelnen Flugzeugs, auch wenn der L�rm-Mittelwert vorgaukelt, dass sich auch bei zunehmendem Flugverkehr fast nichts ver�ndert (logarithmische Skala). Ein Denkendorfer B�rger berichtete z.B. der SG Filder, dass am Samstag nach Pfingsten (21.5.05) ab ca. 20 Uhr bis etwa um 0.30 Uhr die Flugzeuge im Zwei-Minuten-Takt �ber Denkendorf eingeflogen sind. An zwei Punkten (Neuhausen und Scharnhausen) st��t der Flughafen schon heute an die vom Planfeststellungsbeschluss 1987 festgelegte oberste Grenze. Und: In Filderstadt-Bernhausen werden die h�chsten Werte f�r Dieselru� gemessen. Hans-Peter Kleemann kommentiert: “Wir wissen seit Jahrzehnten, dass L�rm und Luftschadstoffe Mensch und Natur sch�digen. Die Filder sind offenbar dazu bestimmt, hierbei als medizinisches Gro�labor zu dienen.”

 

Laut Steffen Siegel kann es aber nicht angehen, dass eine Einrichtung, deren Infrastruktur mit sehr viel Steuergeldern bezuschusst wurde und wird, ohne Betrachtung der Ausbau-Folgen einfach ins Blaue hinein ihre Erweiterungspl�ne verwirklichen darf, nur um ihr betriebswirtschaftliches Ergebnis zu steigern:�Die Profitlogik darf beim Flughafen kein Ma�stab sein! Die Priorit�t muss auf dem Allgemeinwohl und Interesse der Filderbewohner an einigerma�en gesundem Lebensraum liegen.� Dieser Appell richtet sich vor allen Dingen an die Landespolitik, die nach Aussagen der SG Filder f�r die Wirtschaft Baden-W�rttembergs genug Kapazit�t geschaffen hat: Der Anteil der Business-Flieger liege bei 20 bis 30 Prozent, alle andere Flieger z�hlten praktisch zur Touristik.

 

Deshalb fordert die Schutzgemeinschaft Filder e.V.
- Keine Planfeststellung Westerweiterung. Einstellung aller Ausbau-Pl�ne!
- Kein Ausbau f�r Billigflieger � dem umweltsch�dlichsten Transportmittel.
- Keine Enteignung von Grundst�cksbesitzer f�r den Flughafenausbau.
- Die Nachtflugbeschr�nkungen am Stuttgarter Flughafen m�ssen eingehalten werden
- Die Qualit�t des Lebensraums auf den Fildern darf sich nicht weiter verschlechtern!
- Die Filder und die Belastungen der Menschen m�ssen in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Die Schutzgemeinschaft schl�gt angesichts der auffallenden Gesundheitsprobleme auf den Fildern (Zunahme bei Pseudokrupp-Anf�llen und Asthma-Erkrankungen bei Kindern etc.) eine fl�chendeckende Gesundheits-Studie auf den Fildern vor.

 

 

 

Anlage Schutzgemeinschaft Filder am 10.6.05

 

Ausbauphasen am Flughafen
- Flughafen angelegt in den 1920-er Jahren.
- Ausbau durch Hitler. Erste Enteignung der Filderlandwirte.
- 1960er Jahre: Gerlachpl�ne schlagen den Ausbau und 2 weitere Startbahnen vor. 1967 gr�ndet sich die Schutzgemeinschaft.
- 1987 Planfeststellungsbeschluss f�r die Startbahnerweiterung des Flughafens um 1380 Meter. Weitere Startbahnen wurden verhindert. Die von der Schutzgemeinschaft und den Kommunen m�hsam erk�mpften Nachtflugbeschr�nkungen geh�ren zu den besten in der BRD.
- 24.6.1996 wird die erweiterte Startbahn in Betrieb genommen
- 1999 Planfeststellungsbeschluss f�r das Flughafen-Frachtzentrum und die Nordwestumfahrung in Bernhausen Nord (=Erschlie�ungsstra�e f�r das Frachtzentrum). Einweihung 2000.
- 2003 Planfeststellungsbeschluss Messe. Beginn der juristischen Prozesse.
- Herbst 2004: Beginn Messebau
- 2005 Flughafen plant Flughafenwesterweiterung. Planfeststellungsverfahren f�r Ende 2005/Anfang 2006 angek�ndigt.

 

Wahnsinn Billigfliegerei
- Billigflieger sind oft preiswerter als die Bahn, weil der gewerbliche Flugverkehr von der Mineral�l-, �ko- und Mehrwertsteuer (bei internationalen Fl�gen) befreit ist. Zus�tzlich wird der Ausbau der Infrastruktur von Kommunen und L�nder bezuschusst. Damit wird das Verkehrsmittel am h�chsten subventioniert, das die Umwelt am st�rksten mit Schadstoffen und L�rm belastet.
- Der Luftverkehr entwickelt sich zum Klimakiller Nummer 1. Der Luftverkehr tr�gt erheblich zur Klimaerw�rmung bei.
- 30 Millionen Deutsche f�hlen sich durch Flugl�rm bel�stigt
- Viele hunderttausend Menschen wohnen in Flugzonen, in der die L�rmgrenzwerte gesundheitssch�digend sind und zu erh�htem Herzinfarktsrisiko etc. f�hren.
- Billigfliegerei verf�hrt zur Vielfliegerei und vergr��ert die Umweltbelastungen und Gesundheitsprobleme kontinuierlich.
(Ausz�ge aus dem VCD-Newsletter vom Mai 2005)

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!