Mittwoch, 29. Mai 13

S21: Riesiges Betonwerk soll wertvollste Filderböden zerstören

Betonwerk am Katzenbergtunnel zur Produktion der Tunnelverschalungen (Tübbinge)

Die Arbeiten zur Einrichtung des Tunnel-Anstichs für das Bahnprojekt Stuttgart 21 haben inzwischen auch auf den Fildern begonnen.

Im Bereich des Gewerbegebiets Fasanenhof Ost soll sich der S21 Tunnel aus Stuttgart aus der Tiefe schälen. Für die bevorstehenden Bauarbeiten wurde bereits ein landwirtschaftliche Betonweg auf Kosten des seitlichen Waldes (Naturschutzgebiet??) deutlich verbreitert, angeblich, damit Fußgänger und Radfahrer an der Baustelle vorbeifahren können. Wie die Landwirte dies nutzen sollen ist unklar.

Wenn es nachdem Projektsprecher Dietrich ginge, würde in unmittelbarer Nähe ein riesiges Betonwerk entstehen, um die benötigten 50.000 Betonverschalungen (Tübbinge) direkt vorm Tunnelmund zu produzieren. Die Stadt Stuttgart (BM Hahn) hat es, dem Gesetz entsprechend, mit recht abgelehnt, dass für das Betonwerk wertvollste Ackerfläche bereit gestellt wird und somit erneut bester Filderboden unwiederbringlich zerstört werden würde. Einem Bauern wurde gesagt: Wenn ihr kein Land bereit stellt, was sie im übrigen gar nicht dürfen, dann karren wir die Betonteile halt aus Rastatt her. Dies würde aber wiederum, von den immensen Kosten einmal abgesehen, eine unglaubliche Belastung der Autobahn mit vielen Tausend Schwertransporten (siehe Bild) und einer damit verbundenen irren Umweltbelastung bedeuten. Die Wahl zwischen Pest und Cholera also.

Um sich eine Vorstellung machen zu können, in welchen Dimensionen hier gedacht wird, nachfolgend ein paar Daten zum Tunnelbohrer der Firma Herrenknecht namens S-738:
Schilddurchmesser: 10,82 m Länge: 110 bis 120 m (!!?)
Antriebsleistung: 4 200 kW (14 Motoren)
Gewicht ca. 2 100 Tonnen
80 bis 100 Mann arbeiten auf der Maschine. Zum Transport soll das Schild in ca. 10 Stücke zerlegt werden, dh. hierzu braucht man wohl keine 10 m breite Zufahrten. Zum Zusammenbauen allerdings wird eine riesige befestigte Fläche, von der bisher noch nichts zu sehen ist, benötigt.

Im Betonwerk selbst sollen nun viele Tausend der erwähnten Tübbinge produziert werden, von denen ca. acht im Tunnelloch zu einem Ring zusammengesetzt werden.

Von der Länge her ist der Fildertunnel vergleichbar mit dem Katzenbergtunnel. Dieser wurde im Dezember 2012 eröffnet und ist ein wichtiger Baustein der Rheintal-Bahntrasse bei Efringen-Kirchen. Beide Tunnel haben ca. 9,5 km Doppelröhren. Der Katzenbergtunnel läuft fast geradlinig ohne Steigungen, der Fildertunnel geht z.T. durch Anhydrit und muss einen große Höhenunterschied (Tiefbahnhof hoch zum Echterdinger Ei) bewältigen.

Die Folgen dieser Arbeiten sind über mehrere Jahre 24 Stundenbetrieb, d.h. permanenter Materialtransport, Lärm, Dreck usw..

Von: Steffen Siegel, Rolf Keck

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!