Schutzgemeinschaft Filder - Donnerstag, 20. September 2018
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Mittwoch, 21. Dezember 11

Ortstermin der Schutzgemeinschaft Filder am S-21-Filder-Tunnelmund: Keine Fakten schaffen vor dem Faktencheck von Bürgern und Gemeinden

Der Ortstermin fand direkt am geplanten Tunnelmund zwischen Industriegebiet Fasanenhof und A8 statt

Die Redner des Ortstermins am S-21-Fildertunnelmund am 17. Dezember 2011, zu dem die SG Filder eingeladen hat, kritisieren, dass die Filderbauern bereits im Januar 2012 ihre Felder für die Baustelleneinrichtung der DB räumen müssen, obwohl die Planung des Filderabschnitts 1.3 noch nicht abgeschlossen ist. Die SG Filder fordert einen Filder-Faktencheck unter Einbeziehung der Bürgerschaft. Vorrangiges Ziel: Eine benutzerfreundliche Nahverkehrslösung statt störungsanfälligem Mischverkehr.

Obwohl für den Planungsabschnitt 1.3, dem Abschnitt vom Tunnelmund des Aufstiegstunnels über die Messe, den Flughafen, durch Leinfelden-Echterdingen bis hin zur Rohrer Kurve, noch keine belastbaren Pläne vorliegen, sind die Filderbauern, die die Felder um den geplanten Tunnelmund bewirtschaften, aufgefordert, sie im Januar für die S-21-Baustelleneinrichtung freizugeben. Hier soll – südlich des Industriegebiets Fasanenhof-Ost, wo der geplante S-21-Tunnel die Erde durchstößt – großflächig die S-21-Baustelle für den Tunnelmund, die Rettungszufahrt, Rettungsplatz, Löschwasser, Stromaggregat etc. eingerichtet werden. Von dort aus ist auch der Abtransport des Aushubs von 488 000 Kubikmeter geplant: über die Schelmenwasenstraße im Fasenenhof Ost, die Heigelinstraße auf die B 27 bis beispielsweise zum Zwischenlager Weißer Stein oder Blumentobel im Kreis Esslingen.

Wie Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder betont, befindet sich auch der Tunnel selbst, der vom geplanten Tiefbahnhof in einem 10 Kilometer langen steilen Tunnel durch schwierigen Untergrund unter dem Fernsehturm und unter Degerloch und der Körsch auf die Filder führt, gerade noch in einem Planänderungsverfahren. Deshalb sieht Steffen Siegel keinen Anlass für die schnelle Freiräumung der Felder, weder vor dem Tunnelmund noch für die Baufeldräumung entlang der Autobahn. Nach dem Willen der Planer sollen die Lichtwellenkabel, die wegen S 21 an der A8 keinen Platz mehr haben, ins Naturschutzgebiet Weidach-Zettachwald verlegt werden. Diese Verlegung der Kabel ist ebenfalls im Frühjahr 2012 geplant – also zur Hauptbrutzeit von Vögeln und zur Hauptpaarungszeit von Amphibien, Reptilien und Säugern.

Filder-Faktencheck statt Fakten schaffen

Steffen Siegel sieht im „Schnellschuss-Vorgehen“ eine Taktik der DB: „Es sollen Fakten geschaffen werden, bevor die Pläne gerichtsfest sind, geschweige denn, die Bürger einbezogen wurden!“ Da die bislang vorgelegten Pläne auf den Filderrn voller Ungereimtheiten sind, fordert  die Schutzgemeinschaft Filder, den Vorschlag Heiner Geißlers, zukünftig vor ein bürokratisches Planfeststellungsverfahren einen Faktencheck zu setzen, aufzugreifen.

Verkehrsexperte Hans-Peter Kleemann vom Büro für angewandten Umweltschutz (B.A.U.) bekräftigt diese Forderung: „Nach der Stuttgarter Schlichtung, dem Runden Tisch in Atdorf, dem Faktencheck in Karlsruhe, aber auch dem Bürgerentscheid in Gaildorf ist es nur richtig, dass auch beim zentralen Verkehrsknoten des Filderplanungs-Vorhabens eine qualifizierte Diskussion aller Gesichtspunkte erfolgt.“ Seinen Worten nach soll der Filder-Fakten-Check dazu dienen, den Belangen aber auch Bedenken der betroffenen Bürgerschaft und gesellschaftlichen Gruppierungen ein frühzeitiges, aktuelles und umfassendes Forum zu bieten. Hans-Peter Kleemann macht deutlich, wie wichtig ihm der Faktencheck der Verhandlungspartner auf Augenhöhe ist: „Wir bitten Politik und Bahn dringend, sich einem derartigen Vorgespräch nicht zu entziehen und mit uns kurzfristig in erste Verhandlungen über Inhalte und Organisation einzutreten.“

Laut Schutzgemeinschaft beschäftigen sich die Gemeinden, betroffene Bürger,  Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 schon länger mit den Mängeln des Filderabschnitts und möglichen Alternativlösungen.

Liste der Unzulänglichkeiten im Filderabschnitt 1.3. – eine Auswahl
-    Mischbetrieb auf den Filder-S-Bahngleisen (S-Bahnen, Regional-
     bahnen und Fernverkehr) durch Wohngebiete.
-    Lärmzunahme in Plieningen und in Leinfelden-Echterdingen
-    Die von der S-Bahn und den Fernzügen gemeinsam genutzte 
     S-Bahntrasse durch L.-E. wird zu einer deutlichen 
     Verschlechterung des S-Bahntaktes und ihrer Busanbindungen 
     führen. Denn die Fernzüge aus und nach Süden werden 
     Vorfahrt haben und nicht hinter den mehrmals haltenden
     S-Bahnen herzockeln.
     Dadurch ist eine Ausdünnung des S-Bahnverkehrs in LE zu erwarten.
-    Ausnahmegenehmigung für die Tunnel beim Flughafen (befristet bis 2035), die 
     an vielen Stellen aus Sicherheitsgründen eine Verlangsamung der Züge
     vorschreibt. Und was kommt nach 2035?
-    Der Flughafen-Terminalbahnhof (der jetzige S-Bahnhof) kann nur noch jeweils 
     einseitig benutzt werden, das heißt er ist nur noch im Gegenverkehr nutzbar:
     eine Seite nur für S-Bahnen, die andere Seite für Regional- und  
     Fernverkehrszüge (IC). Das führt zu einer Fahrplanerschwerung.
-    Abstand der beiden Bahnhöfe ca. 200 m. Flughafenbahnhof 27 Meter tief. 
     Umsteigen mit Gepäck unzumutbar.
-    Nur alle 2 Stunden ein ICE am  Flughafen-Fernbahnhof.  In der im Stresstest  zu 
     Grunde gelegten Spitzenstunde hält gar kein ICE am Flughafen.
-    Mehrere höhengleiche Trassen-Kreuzungen auf der Strecke mit negativen Folgen  
     auf den Fahrplan.
-    Verspätungsaufbau mit Wirkung bis in den Stuttgarter Tiefbahnhof.
-    Brandschutz und Sicherheit in Tunnels und Bahnhöfen ungeklärt.
-    Notfallkonzept ungeklärt.
-    Erheblicher “Bodenverbrauch” (beste Filderböden) entlang der Autobahn bei  
     Plieningen.
-    Beim zweiten Gleis zwischen Fernbahnhof und Tunnel (Forderung im  
      Die Forderung von Heiner Geißler bei der Schlichtung, nämlich  
     „funktionstüchtiger Erhalt der Gäubahntrasse über Vaihingen nach Stuttgart“ ist 
     noch immer nicht umgesetzt, bzw. ungeklärt!
-    Die Rohrer Kurve im Wald hat ökologische Auswirkungen und bedeutet Lärm für 
     Dürrlewang.
-    Die im Schlichterspruch geforderte Ertüchtigung der Wendlinger Kurve ist immer 
     noch nicht geklärt. Ein zweites Gleis wäre nötig,  um unter anderem auch in der  
     Hauptverkehrszeit alle Züge aus Tübingen zum Flughafen führen zu können.
-    Zunahme des Flugverkehrs durch Stuttgart 21, - der Flughafen spricht von 1,2 
     bis 1,5 Millionen mehr Fluggästen im Jahr, dies wären 50 bis 60 mehr Flugzeuge
     am Tag. Das erhöht das Risiko einer erneuten Diskussion einer zweiten    
     Startbahn auf den Fildern. usw.

Von: Gabi Visintin