Montag, 17. Januar 11

Messe jubelt vor falschem Zahlenhintergrund

Laut dem Landesmesse-Geschäftsführer Ulrich Kromer haben sich durch den Umzug der Messe vom Killesberg auf die Filder „alle Kennzahlen im weitesten Sinne verdoppelt… die Fläche, die Umsatzzahlen, die Besucherzahlen, die Ausstellerzahlen…“ (siehe Interview U. Kromers in  SWR3 am 11.1.2011.)
Außer der Flächenzahl ist alles andere grob falsch. Die Schutzgemeinschaft kann das mit dem Gutachten der Firma „prognos“ aus dem Jahr 1997, das als Begründung für den Messe-Neubau erstellt wurde ( „Regionalwirtschaftliche Wirkungen der Messe Stuttgart“, prognos, 1997, Seite 4), belegen.

Im Jahr 1996 hatte der Killesberg  1,65 Millionen Besucher, jetzt angeblich 1,14 Millionen. Von Verdopplung kann also keine Rede sein, es waren damals fast 45% mehr Besucher als heute. Auf Rückfrage sagte Ulrich Kromer sinngemäß, die damaligen Zahlen seien von seinem Vorgänger um ca. 30% geschönt  worden, um den Neubau der Fildermesse voranzutreiben. Selbst bei  30 prozentiger Zahlentrickserei wären die heutigen Besucherzahlen immer noch deutlich unter denen des Killesbergs im Jahr 1996. Steffen Siegel, Vorstand der Schutzgemeinschaft Filder sagt dazu: „Skandalös, aber auch sehr aufschlussreich ist, dass Ulrich Kromer seinem Vorgänger, dem damaligen Messechef Walter Gehring bewusste Manipulation unterstellt und damit indirekt auch das Gutachterbüro „prognos“ in einem ganz schiefen Licht erscheinen lässt“.

Die Schutzgemeinschaft Filder zeigt sich dagegen bei den neuen Zahlen manipulationsresistent und stellt fest:
- Die Zahl der Besucher, die Messechef Kromer nennt, liegt 10 Prozent höher
als in der amtlichen Bilanz aber immer noch dramatisch unter der des Killesbergs.
- Die Zahl der Beschäftigten ist etwa gleich geblieben (knapp 300).
- Die Messe Sinsheim hat man an den Rand des Ruins gebracht.
- Auf Kosten anderer Messen im Lande wurden die Ausstellerzahlen und die Umsätze leicht erhöht, jedoch bei weitem nicht gegenüber dem Killesberg verdoppelt.
- Die Projektgesellschaft Neue Messe GmbH  weist ein Defizit von fast 20 Millionen Euro auf, was so in der Bilanz nicht auftaucht.
- Die Wirtschaft weigert sich, die vereinbarten 40 Millionen beizusteuern. (Die Firma Bosch hat für eine Großwerbung am Parkhaus zwar viel Geld bezahlt,aber das hat  mit dem versprochenen Geld aus der  Wirtschaft nichts zu tun.)
- Die Gesamtkosten von 806 Millionen Euro konnten nicht eingehalten werden (die Baukosten liegen nach Aussagen verschiedener Insider um mindestens
7 Millionen höher.)

„Mit Unmengen Steuergeld und mit brachialen Methoden gegenüber den Grundbesitzern, ja mit einem höchstfragwürdigen, eigens erstellten Landesmessegesetz  hat man eine Messe auf den fruchtbaren Filderböden durchgedrückt, mit dem Ergebnis, dass man jetzt in weiten Teilen schlechter dasteht als zuvor“, zieht Steffen Siegel das Resümee und fragt:  „Wie soll da das zur  Zeit so oft beschworene Vertrauen der Bevölkerung in die Ehrlichkeit beim Durchsetzen von Großprojekten zurückgewonnen werden?“

 

 

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!