Schutzgemeinschaft Filder - Donnerstag, 20. September 2018
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Samstag, 14. März 15

Leserbrief von Frank Distel an die Filderzeitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bitte veröffentlichen Sie folgende Lesermeinung, insbesondere als Reaktion auf den Leserbrief des SPD-Fraktionsvorsitzenden von Filderstadt, Walter Bauer:

 

Die Lesermeinung des Filderstädter SPD-Fraktionsvorsitzenden vom 04.03.2015 zum Themenkreis „Fildervarianten von Stuttgart 21“ kann nicht unwidersprochen bleiben; dies allerdings auf rein sachlicher Ebene und ohne auf die teils beleidigenden Attacken des Autors einzugehen.

 

Bei näherer Betrachtung unterscheiden sich unsere Ziele gar nicht so wesentlich. Auch wir wollen den zweigleisigen S-Bahnhof am Flughafen erhalten. Desgleichen wollen wir die Verlängerung der S-Bahn nach Neuhausen. Wir wollen, wie der Autor, den Straßenverkehr entlasten zugunsten von mehr Schienenverkehr und eine signaltechnische Leistungssteigerung der S-Bahn-Stammstrecke. Schließlich streben auch wir eine Taktverkürzung in der Hauptverkehrszeit bis Filderstadt an.

 

Die Wege zu diesen Zielen unterscheiden sich allerdings. Bei allen drei Lösungen auf den Fildern, die im Raum stehen, bleiben die unbestreitbaren Störwirkungen der Rohrer Kurve, des Mischverkehrs durch Leinfelden-Echterdingen, der erhebliche Flächenmehrverbrauch wertvoller Filderböden im Falle des „Bahnhofs Plus“ sowie dessen Untauglichkeit im Stresstestfahrplan. Wo sieht der Autor hier Chancen für den Filderraum? Die Taktverkürzung der S-Bahn ist im Mischbetrieb mit den Gäubahnzügen schon mal bei keiner der drei Lösungen möglich; das ganze System aller drei Varianten ist derart eng „auf Kante gestrickt“, dass zukünftige und notwendige Erweiterungen des S-Bahnverkehrs und der Gäubahn ausgeschlossen sind. Die Forderung des Verbands Region Stuttgart, die S-Bahn zukünftig gemischt mit ICE-Zügen auf der Schnellbahnstrecke bis Wendlingen fahren zu lassen, wird ein frommer Wunsch bleiben, weil kein vernünftiger S-Bahn-Takt zwischen die bis zu 250 km/h schnellen ICE-Züge Stuttgart – Ulm passt. Schon die – ebenfalls auf der Neubaustrecke vorgesehenen – Regionalzüge Stuttgart - Tübingen schaffen größte Probleme zwischen schnellen ICEs und langsamen Vorortzügen an der Wendlinger Kurve und der Flughafenkurve. Das System verträgt schon ohne

S-Bahnen keinerlei Störung durch Verspätungen.

 

Nicht wir, die wir für die einzig richtige Lösung eintreten, nämlich den Erhalt der Gäubahn auf ihrer heutigen Bestandsstrecke, verschließen vor der Wirklichkeit die Augen sondern vielmehr der Autor des Leserbriefs. Wir sind nicht deshalb unglaubwürdig, weil wir Stuttgart 21 als Ganzes ablehnen. Wenn diese Fehlplanung eines gefährlichen und unterdimensionierten „Schrägbahnhofs“ in Stuttgart am Ende wider besseres Wissen aller seriösen Fachleute am Ende doch weitergebaut wird, dann kann und muss man sich als Projektgegner wenigstens gegen die fast noch schlimmere Fehlplanung auf den Fildern einsetzen. Dazu gehört selbstverständlich auch ein Fernbahnhof am Flughafen, der bequem erreichbar ist und im Katstrophenfall viel gefahrloser geräumt werden kann, als der „Bergbauschachtbahnhof“ der Antragstrasse in 27 m Tiefe. Ähnliches gilt abgeschwächt auch für den „Bahnhof Plus“.

 

Als Fazit ist festzuhalten:  Gegner, wie Befürworter von Stuttgart 21 wissen, dass fast alle Probleme auf dem Filderabschnitt nur wegen der angeblichen Planungsvorgabe des Landes, die Gäubahn müsse über den Flughafen geführt werden, entstanden sind.  Vernunftbegabte können daher nur zu demselben Ergebnis kommen, das die Schlichtung festgelegt, der Filderdialog mit breiter Mehrheit empfohlen und die Schutzgemeinschaft Filder vorgeschlagen haben, nämlich den Erhalt der Gäubahn auf der Panoramastrecke mit einem Umsteigebahnhof in Vaihingen, der den (wenigen) Fahrgästen, die zum Flughafen wollen, einen bequemen Umstieg in S-Bahnen bzw. Express-S-Bahnen ermöglicht und sie direkt im S-Bahnhof unter den Terminals ankommen lässt; das bewährte Prinzip der kurzen Wege, das keine der drei Fildervarianten bieten kann!

 

Der Leserbriefautor folgt im Übrigen kritiklos einer weiteren falschen Behauptung, nämlich dass die Verlängerung nach Neuhausen nur mit Antragstrasse, Bahnhof Plus oder „Drittem Gleis“ „gesetzlich“ möglich sei. Zur finanziellen Rechtfertigung der S-Bahn nach Neuhausen dient ausschließlich eine Nutzen-Kosten-Berechnung namens „Standardisierte Bewertung“, die auf der Nutzenseite entscheidend die Zahl der prognostizierten Fahrgäste führt. Bei Erhalt der Gäubahn auf ihrer heutigen Bestandsstrecke würde nicht ein einziger Fahrgast weniger Richtung Flughafen / Filderstadt / Neuhausen fahren; wegen des bequemen Umstiegs in Vaihingen sehr wahrscheinlich sogar mehr! Damit beeinflusst die von uns favorisierte (und im Übrigen deutlich kostengünstigere) Variante eine Verlängerung der S-Bahn nach Neuhausen keinesfalls negativ!

 

Auch wir ignorieren nicht die Vertragslage; wirklich kluge Politiker und Planer wissen jedoch, dass Verträge jederzeit einvernehmlich geändert werden können, wenn dadurch eine erwiesenermaßen bessere Lösung zustandekommt – dies gilt auch für den Finanzierungsvertrag zu Stuttgart 21, in dem übrigens an keiner Stelle expressis verbis steht, die Gäubahn müsse über den Flughafen geführt werden.

 

Dipl.-Ing. Frank Distel

Schutzgemeinschaft Filder e.V.

und „SPD-Mitglieder gegen Stuttgart 21“

 

Bettina-von-Arnim-Straße 41

73760 Ostfildern

 

0171-9597273

Von: Frank Distel