Schutzgemeinschaft Filder - Mittwoch, 20. Juni 2018
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Samstag, 24. November 07

Flughafengutachten:Großflächige Zerstörungsvisionen

Eine Verdopplung der Lärmereignisse kann nicht unter den Lärmteppich gekehrt werden

Mediziner sagen, dass ein Mensch durchschnittlich acht Stunden Schlaf brauche.

Wenn Flughafenchef Georg Fundel jetzt schon ab 5 Uhr morgens Flugzeuge starten lassen will, ist dies vorsätzliche Körperverletzung. Denn in genanntem Falle würde den vielen Menschen im weiten Einzugbereich des Flughafens nur noch gute 5 Stunden Schlaf zugestanden. Durch die vielen nächtlichen Ausnahmeregelungen ist schon heute kaum mehr ein richtiger Tiefschlag möglich.

Mit der Vorstellung des Gutachtens zur Flughafenerweiterung führt Georg Fundel in alter Tradition die Leute hinters Licht. Eine Aufweichung des (eingeschränkten) Nachtstartverbots hat er noch im Frühjahr 2007 kategorisch abgestritten.

Egal, wo eine zweite Startbahn zwischen die Felder gezirkelt wird, stellt sie eine Kapazitätserweiterung dar. Das heißt, die vom Flughafen angestrebte Verdopplung der Fluggastzahlen von jetzt 10 Millionen pro Jahr auf 20 Millionen bedeutet automatisch auch eine ungefähre Verdopplung der Flugbewegungen, aber auch des Flughafenzubringerverkehrs.

Doppelt so viel Starts und Landungen bedeuten aber auch doppelt so viel Ruhestörungen, Unterbrechungen und Lärmbelästigungen.

Dies lässt sich nach Meinung der Schutzgemeinschaft auch nicht hinter Durchschnittsberechnungen des äquivalenten Dauerschallpegel verstecken. Der Vorsitzende Steffen Siegel: „Eine Verdopplung der Lärmereignisse kann

nicht unter den bereits bestehenden Lärmteppich gekehrt werden.“

Die großflächigen Zerstörungsvisionen des Flughafens zeigen, dass der Flughafen „nichts aber auch gar nichts“ von den wirklichen Problemen, die die Zukunft betreffen, verstanden hat:

- Das Klima verändert sich, für jeden erkennbar, immer rasanter.

- Der Flughafenbereich ist nach neuesten Lärmkartierungen der lauteste in ganz Baden-Württemberg.

Es ist unverantwortlich, die letzten fruchtbaren Böden zu versiegeln und mehrere Aussiedlerhöfe auszuradieren - China lässt grüßen.

Wer dies alles damit begründet, dass die Wirtschaft es brauche, verkennt, dass die Region Stuttgart Exportweltmeister ist, obwohl wir “nur” eine Startbahn haben und obwohl wir bisher nur eine kleine Messe hatten und obwohl der Stuttgarter Bahnhof ein Kopfbahnhof ist. Zudem führt der Billigfliegerboom im Wesentlichen dazu, dass die Leute ihr Geld im Ausland liegen lassen.

Der einzige, der von all dem profitiert, ist der Flughafen selbst.

Je nach Lage der zweiten Startbahn, werden gehörige Teile von Bernhausen und Neuhausen oder von Plieningen und Scharnhausen unbewohnbar. Das ist menschenverachtend, es ist verantwortungslos.

Ministerpräsident Oettinger, der im Wort seiner Vorgänger steht, hat heute die Pflicht, dieser geplanten Vernichtung der Filder und damit des Gemüsegartens Stuttgarts sofort Einhalt zu gebieten. Statt dessen kündigt Günther Oettinger ein Gutachten an, das das vom Flughafen vorgestellte Gutachten noch einmal „ergebnisoffen“ bewerten soll. Das ist absurdes Theater. Der Flughafenchef ist Angestellter des Landes, und dessen Gutachten soll durch dieses Land noch mal begutachtet werden. Was mag da wohl herauskommen?

An der politischen Diskussion um den Flughafenausbau wird sich beweisen, ob glaubwürdiges Handeln oder nur wohlgefälliges Reden zum Markenzeichen dieser Landesregierung wird.

Von: Gabi Visintin