Mittwoch, 22. September 04

EZ: "�rger bei Verteilung der Ersatzfl�chen"


Quelle: Esslinger Zeitung, 21.9.2004

 

LEINF.-ECHTERDINGEN: Landwirte tun sich schwer, die von der Landsiedlung bereitgestellten Felder gerecht zu verteilen
Von Harald Fl��er

 

Von Messefrieden keine Spur: Es rumort gewaltig unter den Filder-Landwirten. Denn die vom Land zugesagten Ausgleichspakete sind noch l�ngst nicht geschn�rt. Dabei dr�ngt die Zeit. Die Herbstaussaat steht an und die kann nur erfolgen, wenn die Besitzverh�ltnisse gekl�rt sind. Im Grundsatz hatte man sich Ende August mit dem Land geeinigt und damit ohne Enteignungen und Klagen den Weg f�r die neue Landesmesse geebnet. Doch ist es wie erwartet h�chst problematisch, jeden Landwirt auch nur einigerma�en gerecht mit Ersatzfl�chen zu entsch�digen. Die L�sung, dass die Bauern den neuen Kuchen selbst unter sich verteilen, mag gewissen Charme haben. In Wirklichkeit hat das Vorgehen aber schon reichlich Unfrieden ges�t. Walter Vohl, Vorsitzender des Bauernverbandes im Kreis Esslingen, bekommt das fast t�glich in erbosten Anrufen von Berufskollegen zu sp�ren. Die Rolle des Vermittlers hat der Landwirt aus Stetten dankend abgelehnt (”Das soll die Landsiedlung sch�n selbst machen”), dennoch ist sein Rat in zahlreichen Streitsachen gefragt. Und die gibt es in diesen Tagen zuhauf.

 

Gesamtl�sung blockiert

 

“Wenn wir heute schon w�ssten, wo wir die zus�tzlichen 50 Hektar im Umkreis von 30 Kilometern bekommen, w�rde das die Sache wesentlich erleichtern”, sagt Vohl. Aber mit der Beschaffung dieser Ersatzfl�chen tut sich die Landsiedlung sehr schwer. Die Dom�ne Einsiedel mitten im Sch�nbuch ist bekanntlich im Gespr�ch. Au�erdem spekuliert man auf Versuchsfelder der Uni Hohenheim. Nach dem Vertragswerk hat die Landsiedlung Baden-W�rttemberg bis 31. Oktober 2005 Zeit, den durch den Messebau gesch�digten Landwirten diese zus�tzlichen 50 Hektar Land zur Verf�gung zu stellen. Diese Verz�gerung blockiert allerdings eine Gesamtl�sung, mit der alle Landwirte leben k�nnen. Von der sei man im Augenblick noch weit entfernt, sagt Vohl und zeigt auf eine Bodenkarte, die wie ein Fleckerlteppich anmutet. Alle braun markierten Fl�chen k�nnen die Landwirte zum Preis von 16 bis 20 Euro pro Quadratmeter erwerben und damit ihre urspr�ngliche Betriebsgr��e wieder herstellen. 5,4 Hektar werden in der Echterdinger Markung zum Kauf angeboten. 58 ziemlich kleine Parzellen, die gr��te gerade mal 31 Ar gro�. Eine weitere Liste von Grundst�cken weist noch einmal 14 Grundst�cke mit insgesamt 4,2 Hektar auf Plieninger Flur aus. Und genau da liegt nach den Worten des Kreisbauernchefs ein weiteres Problem: Kein Echterdinger Landwirt k�nne guten Gewissens �cker um Plieningen in Beschlag nehmen. Denn auch dort k�mpften die Bauern um jedes Ar. Vohl: “Da kriegen wir intern einen Mords�rger.” Die erzwungene Abgabe von Feldern f�r den Messebau hat auch drei bis vier Bauern aus Plieningen in N�te gest�rzt, wenngleich sie nicht offiziell als existenzgef�hrdet gelten. Diesen Stempel bekommen von den Gutachtern nur Betriebsinhaber, die mindestens zehn Prozent ihrer Fl�chen verlieren. Und diese Bedrohung hat man urspr�nglich nur f�nf Landwirten best�tigt: Walter St�bler, Fritz Auch-Schwarz, Karl Kizele, Hans Bayha und Martin Sch�fer. St�bler hat seinen Hof bekanntlich gegen einen Betrieb in der Bodenseeregion getauscht, sodass nur noch vier �brig blieben. Und diese sind wegen ihrer besonderen Situation bei der Auswahl von Ausgleichsfl�chen als Erste am Zug. Das gilt nicht nur f�r die zum Kauf angebotenen �cker, sondern auch f�r die lange Liste der offerierten Pachtfl�chen. Davon stehen rund 22 Hektar zur Verf�gung.

 

Rad wird zur�ckgedreht

 

Auf dem Papier k�nnen s�mtliche Fl�chenverluste ausgeglichen werden, oftmals aber zu dem Preis, dass die neuen Felder weit auseinander liegen und den Landwirten das Arbeiten deutlich erschwert wird. Nach den Worten Vohls wird das Rad damit wieder zur�ckgedreht. Denn im Zuge der Flurbereinigung, die durch die Flughafenerweiterung angesto�en worden war, haben die Landwirte erstmals gro�e zusammenh�ngende �cker bekommen. Jetzt m�sse man sich wieder mit kleinen Streifen begn�gen. Die �ber Generationen praktizierte Realteilung hat es mit sich gebracht, dass immer mehr Besitzer immer kleinere Parzellen ihr Eigen nennen. Deswegen musste sich die Projektgesellschaft mit sage und schreibe 500 Eigent�mern streiten, um die f�r das Projekt ben�tigten 100 Hektar Land zu bekommen. Die Folgen der Realteilung f�hrten nun im Streit um die Fl�chen zu einer besonderen H�rte: Die meisten Pachtverh�ltnisse beruhen auf m�ndlichen Absprachen. “Schriftliche Vertr�ge gibt es nur in wenigen F�llen”, berichtet Vohl. Genau das habe sich bei den Enteignungsverfahren f�r die Bauern als Bumerang erwiesen. Die Messebauer beriefen sich auf die Gesetze. Und die sind eindeutig: Wo es keine Vertr�ge gibt, m�ssen auch keine Ersatzpachtfl�chen beschafft werden.

 

Vohl will aber nicht nur klagen. Die zwei zugesagten Wasserleitungen bringen “handfeste Verbesserungen”, weil die Landwirte daran Beregnungsanlagen f�r 100 Hektar Land anschlie�en k�nnten. Viel verspricht sich der Kreisbauernchef auch von einer Strukturkommission, die noch in diesem Herbst mit Vertretern von Ministerien, der Landwirtschaft und des Verbandes Region Stuttgart gegr�ndet werden soll.

 

Neue Erwerbsquellen

 

Das Gremium soll ein Konzept erarbeiten, wie die Perspektiven der Landwirtschaft auf den Fildern dauerhaft verbessert werden k�nnen. F�r Vohl ergeben sich drei Schwerpunkte: Intensivierung der Landwirtschaft in ausgew�hlten Bereichen, Hilfen zur Vermarktung und Suche nach Ausgleichsfl�chen. F�r einzelne Landwirte k�nnten sich nach seiner Einsch�tzung neue Erwerbsquellen in der Landschaftspflege auftun. Die Kommission m�sse aber auch grunds�tzlich daf�r Sorge tragen, “dass mehr auf die Belange der Landwirtschaft geachtet wird”.

Von: Esslinger Zeitung

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!