Montag, 30. August 04

Esslinger Zeitung: "Endstation f�r die Planierraupe"


Quelle: Esslinger Zeitung 18.08.04

LEINF.-ECHTERDINGEN: Demonstranten verhindern Einrichten des Baub�ros Stillhalteabkommen ausgehandelt

Von Regina Schultze

Morgens um 7.30 Uhr kam der Tieflader. Da sa�en allerdings schon 150 bis 200 Demonstranten auf der Zufahrt zum k�nftigen Messegel�nde, unterst�tzt von f�nf Traktoren. Es lief alles friedlich ab, sagte Polizei-Pressesprecher Fritz Mehl, der das Geschehen vor Ort beobachtete. Nach Gespr�chen machten die Blockierer Platz, damit der Tieflader von der Stra�e biegen konnte und so den Verkehr zwischen Plieningen und Echterdingen nicht mehr behinderte. Dann war Endstation f�r den Transporter mit der gelben Planierraupe, die mit B�umchen verziert war. Gegen 13 Uhr musste der Fahrer unter dem Klatschen der Demonstranten r�ckw�rts ausparken: Den Messegegnern war es nach einem zweist�ndigen Gespr�ch gelungen, ein Stillhalteabkommen bis 26. August auszuhandeln. So lange wird die Planierraupe auf einem Parkplatz beim Flughafen abgestellt.

Affront der Messegesellschaft
Mit dieser Einigung ist es uns gelungen, zum einen den Frieden auf den Fildern zu wahren und zum anderen unseren ehrgeizigen Zeitplan noch einzuhalten, sagte der Gesch�ftsf�hrer der Projektgesellschaft Neue Messe, Ulrich Bauer. So sieht das auch Gabi Visintin, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder. Zum �u�ersten, einer Sitzblockade mit dem Wegtragen der Demonstranten, kam es gestern nicht. Genau das habe aber Ulrich Bauer selbst provoziert. Das Auffahren von Bauger�t bezeichnete sie als Affront: W�hrend eines Einigungsprozesses macht man so was nicht. 
Visintin zufolge hat es ein Stillhalteabkommen schon gegeben. Schlie�lich liege die Klage der f�nf betroffenen Landwirte beim Bundesverfassungsgericht derzeit auf Eis. Bisher habe das Land den Bauern noch kein konkretes Angebot vorgelegt, wie sie ihre Existenz sichern k�nnen. Heute w�re diese Frist zu Ende gegangen. W�hrend die Gegner der Landesmesse in str�mendem Regen ausharrten, trafen sich die f�nf Filderbauern mit den Messebauern im Hotel M�venpick am Flughafen. Heraus kam ein Drei-Punkte-Plan. Ihm zufolge erkl�ren sich die Landwirte Auch-Schwarz, Bayha, Beck, Kizele und Sch�fer mit der Kampfmittelbeseitigung und dem daf�r n�tigen Abtrag des Mutterbodens einverstanden. Im Gegenzug verzichtet die Messegesellschaft auf das Einrichten eines Baub�ros. Die Stillhaltefrist l�uft bis 26. August  an diesem Abend ber�t der Gemeinderat Leinfelden-Echterdingens, dessen OB Roland Klenk bei dem Krisengespr�ch dabei war.
Einige hundert Meter weiter wurde auch diskutiert. Viele �ltere waren unter den rustikalen Outdoor-Monturen auszumachen. W�tend, verzweifelt und entt�uscht seien sie, antworteten viele. Den Glauben an eine unabh�ngige Justiz haben sie verloren. Nach der angewendeten Rechtssprechung k�nne k�nftig auch f�r Disneyland enteignet werden, schlie�lich sorge auch das f�r Arbeitspl�tze. Ziemlich teuflisch, bewertete Kabarettist Peter Grohmann das Vorgehen des Landes.

Kabarettist im Widerstand
Ich leiste hier zivilen Widerstand, weil die hier Boden abtragen wollen, bevor das Bundesverfassungsgericht gesprochen hat, erkl�rte Grohmann. Immer wieder verwiesen Demonstranten darauf, dass die Bauern ihre Klage noch nicht zur�ckgezogen haben. Selbst wenn sie unterschrieben h�tten, ist es richtig, deutlich zu machen, dass es unverantwortlich ist, hier eine Messe zu bauen, bekr�ftigte Steffen Siegel, Vorstand der Schutzgemeinschaft. Ich will meinen Kindern noch in die Augen sehen k�nnen. Unterdessen hat die Messegesellschaft das Baugel�nde mit Absperrband umfassen lassen. Rodungsarbeiten, Grundwassermessungen und Kampfmitteluntersuchungen (16 von 64 Hektar wurden bereits untersucht) werden weitergef�hrt. 20 Verdachtsfl�chen werden ab Montag mithilfe eines gepanzerten Spezialbaggers aufgegraben. 
Dass die organisierten Messegegner etwas mit den begangenen Sachbesch�digungen zu tun hat  das deutete die Messegesellschaft an  weist Gabi Visintin sch�rfstens zur�ck: Ein Messger�t sei am Tag des Sturms besch�digt worden, als es im Fildercamp das Kloh�uschen umgeworfen und Zelte zerfetzt hat. Und bei dem festgenommenen Mann, der Kabel zerschnitten hatte, handle es sich um einen besoffenen Radler mit 1,8 Promille.
 

Von: Regina Schulze

 

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