Schutzgemeinschaft Filder - Freitag, 14. Dezember 2018
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Montag, 18. Februar 13

Die Schutzgemeinschaft Filder trauert um ihre Ehrenvorsitzende Dr. Liesel Hartenstein

Die langjährige Vorsitzende der Schutzgemeinschaft verstarb am 12. Februar 2013 im Alter von 84 Jahren. Die Schutzgemeinschaft trauert um ihre Ehrenvorsitzende: „Liesel Hartenstein war die Seele und der Motor unserer Bürgerinitiative“ sagt Gabi Visintin, die SG Filder-Vorsitzende, die Liesel Hartenstein im Jahr 1994 folgte. Bis zuletzt stand Liesel Hartenstein der Schutzgemeinschaft unermüdlich mit Rat und Tat beiseite. Steffen Siegel, heutiger Vorsitzender der SG Filder. betont: „Unser Dank gilt einer unbestechlichen Vordenkerin in allen ökologischen Fragen. Ihr einzigartiger Einsatz für diese schützenswerte Welt ist uns Ansporn, in ihrem Sinne weiterzumachen.“

Dr. Liesel Hartenstein war 1967 die Frau der ersten Stunde als vor nunmehr 46 Jahren  Pläne auftauchten, die vorsahen, den bis dahin kleinen Filder-Flughafen zu einem gigantischen Großflughafen mit drei Startbahnen auszubauen (Gerlachplan). Dagegen stemmten sich viele aufrechte Bürgerinnen und Bürger. Sie schafften es mit und in der Schutzgemeinschaft gegen den Großflughafen Stuttgart, die Wahnsinnspläne zu Fall zu bringen. An ihrer Spitze stand Liesel Hartenstein von 1969 bis 1994.

Durch den gemeinsamen Einsatz der breit aufgestellten Bürgerinitiative und der Kommunen erhielt Stuttgart als erster Verkehrsflughafen 1968 ein Nachtstartverbot und später auch ein Nachtlandeverbot (1973), wie Liesel Hartenstein 2007 beim 40jährigen Jubiläum der SG Filder berichtete. Der rund 25jährigen Kampf gegen die Verlängerung der Startbahn, in dem z.B. verhindert wurde, dass die Weidacher Höhe abgeholzt oder die Autobahn in einen grundwassergefährdenden tiefen Trog verlegt wurde, endete vor Gericht mit einem Teilausbau und dem eingeschränkten Nachtflugverbot. Eine wichtige Forderung von Liesel Hartenstein in den vergangenen Jahren hieß deshalb: Nachtruhe von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens am Flughafen.

Ihr Engagement gegen den Messebau auf den Fildern, genauso wie ihr Widerstand gegen die zweite Startbahn, deren Fall durch ein großes Bündnis aus Kommunen und Bürgern zustande kam, und ihr unermüdliches Wirken gegen das Großprojekt S-21 waren immer getragen von dem Wissen um die Verletzbarkeit der Welt „durch rücksichtslose technokratische Pläne, die jedes Maß vermissen ließen“. Dies schrieb Liesel Hartenstein in der Jubiläumsausgabe der SG Filder 2007. Dort zeigte sie auch die Erfolgsfaktoren der Schutzgemeinschaft Filder auf, die inzwischen zu den ältesten noch aktiven Bürgerinitiativen Deutschlands zählt: „Zwei Merkmale haben die Arbeit der Schutzgemeinschaft über vier Jahrzehnte geprägt“, führte sie aus: „Sie hat stets die Kooperation mit den Kommunen gesucht und sich bemüht, keine Spaltung eintreten zu lassen, weder zwischen den verschiedenen Bürgergruppen mit ihren Eigeninteressen, noch zwischen der östlichen und westlichen Filderregion“. Steffen Siegel erinnert sich: „Liesel Hartenstein hatte ein Gespür dafür, wie man eine Bürgerinitiative strategisch klug führt.“

Sie war nicht nur lange Zeit das Gesicht der Schutzgemeinschaft auf den Fildern, sondern eine Vordenkerin, die große Aufmerksamkeit auf sich zog. So wirkte sie an einer ganzen Reihe von Schriften zum Thema Ökologie, Landwirtschaft und Flugverkehr mit. Dazu gehörte zum Beispiel das Buch „Unheil über unseren Köpfen? Flugverkehr auf dem Prüfstand von Ökologie und Sozialverträglichkeit“. In der Schrift „Schutz der Erdatmosphäre“ fasste Dr. Liesel Hartenstein die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Klimaproblematik der  Enquete Kommission des deutschen Bundestages, in der sie stellvertretende Vorsitzende war, zusammen. „Was in diesen Schriften zum Klima gesagt wird, dringt erst heute langsam ins Bewusstsein der Allgemeinheit“, kommentiert Steffen Siegel.

Als Liesel Hartenstein 1994 der nächsten Generation das Ruder der Schutzgemeinschaft übergab, wählten sie die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Filder e.V. zu ihrer Ehrenvorsitzenden. Bis zu ihrem Tod regte sie Diskussionen an, knüpfte das Netzwerk von Ökologie und Filderschutz, schlug öffentlichkeitswirksame Aktionen vor und war, wenn immer es ging, vorne mit dabei. Gabi Visintin und Steffen Siegel: „Wir danken einer geradlinigen, großen Kämpferin für Natur und Umwelt – auch im Namen unserer Kinder!“

 

Von: Steffen Siegel, Gabi Visintin