Sonntag, 04. März 07

Die Phalanx gegen die 2. Startbahn steht

Flughafenchef erhofft sich eine 50prozentige Steigerung durch eine 2. StartbahnDie Schutzgemeinschaft

Die Schutzgemeinschaft Filder strebt eine Bündelung aller Kräfte gegen die Ausbaupläne des Flughafens an. Jetzt legt sie eine Liste von Städten und Gemeinden vor, die seit der Bekanntgabe der Startbahnpläne Beschlüsse gegen eine 2. Start- und Landebahn gefasst haben. Die Bürgerinitiative hofft, dass sich um den Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF) alle betroffenen Gemeinden formieren und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, sowie den Parteien, Vereinen und Initiativen eine weitere Ausweitung des Flughafens verhindern. Zur Jahreswende hat die Schutzgemeinschaft Filder eine Umfrage in den Gemeinden im Einflugbereich des Flughafens durchgeführt. In einem Brief an die bat die Schutzgemeinschaft um Informationen, ob die jeweilige Gemeinde bereits eine Resolution oder ähnliches gegen den Bau einer angedachten zweiten Startbahn gefasst habe. Rund 25 Kommunen meldeten sich und schickten ihre Erklärungen an die SG Filder. So heißt es etwa im Beschluss der Stadt Aichtal: “Der Gemeinderat erteilt diesen Überlegungen (Kapazitätserhöhung des Flughafens) eine klare Absage und spricht sich vehement gegen eine zweite Start- und Landebahn aus”; oder aus der Gemeinde Schönaich: “Wir Schönbuchgemeinden werden einer zweiten Start- und Landebahn entschieden widersprechen.”

Bis in den Schurwald reicht der Widerstand: ” Eine zweite Start- und Landebahn würde die gegenwärtige Situation noch wesentlich verschlimmern. …Der Flughafen Stuttgart hat mit dem letzten Ausbau und der Verlängerung der Start- und Landebahn das für die betroffene Bevölkerung zumutbare Maß bereits erreicht”, steht in der Erklärung der Gemeinde Baltmannsweiler. Auch die Stadt Plochingen betont in einer Resolution: “Wir müssen daher im Gegenteil alles tun, bestehende Belastungen zu reduzieren und neue Belastungen unbedingt zu vermeiden.”

Neben dem gemeinsam, einstimmig gefassten Beschluss des Kommunalen Arbeitskreises Filder (KAF) in dem sich die Gemeinden Denkendorf, Esslingen, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Neuhausen, die südlichen Stuttgarter Bezirke, Ostfildern und Steinenbronn zusammengeschlossen haben, haben fast alle diese Gemeinden auch eine eigene Resolutionen gefasst. (Liste aller Kommunen im Anhang) Steffen Siegel, Vorsitzender der SG Filder: “Die Phalanx gegen eine zweite Startbahn steht. Von Holzgerlingen über Schönaich, Aichtal, sämtliche Filderorte, den Schurwald, bis nach Plochingen kamen klare Absagen an die 2. Startbahnpläne.”

Die Schutzgemeinschaft verweist darauf, dass es noch eine Reihe weiterer Beschlüsse in den Vereinen und Parteien in und rund um Stuttgart gibt: Neben den Naturschutzverbänden BUND und NABU hat auch der VCD Esslingen eine Resolution beschlossen.

Die GRÜNEN haben auf fast allen Ebenen Beschlüsse gefasst: der Kreisverband Esslingen, KV Stuttgart, und viele Gruppen in den Fildergemeinden. Ebenso hat die SPD auf vielen Ebenen Resolutionen verabschiedet: im Kreis Esslingen, im KV Stuttgart, in den Gemeinden Plieningen, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen etc. Die Filder FDP hat genauso wie die Filder CDU oder auch die CDU in Ostfildern einen Beschluss gegen die 2. Startbahn gefasst. (Die Aufzählung ist nicht vollständig.)

Neueste Zahlen, die der Flughafenchef, Georg Fundel am 14. März 2007 bei einer Lärmveranstaltung in Leinfelden öffentlich nannte, machen das Ausmaß der Bedrohung erst richtig deutlich, betont die SG Filder. Die Passagierzahlen von heute, die bei 10 Millionen im Jahr liegt, könnten mit der bestehenden Startbahn noch auf 14 bis 17 Millionen erhöht werden, erklärte der Flughafenchef in der Leinfeldener Filderhalle. Mit einer zweiten Startbahn, die sogar eine zusätzliche Steigerung von bis zu 50 Prozent schaffen könne, bestünde die Möglichkeit bis zu 23 Millionen Passagiere in Stuttgart abzufertigen, erklärte Georg Fundel zur Überraschung der Zuhörer, die bis jetzt von einer maximalen Steigerung von 30 Prozent wussten. Siegel: “Das ist eine Horrorvision, das wären grob ausgedrückt mehr als doppelt so viele Flugbewegungen oder doppelt so viele Lärmereignisse wie heute. Dann Gnade für unsere Ohren. Da kann man nur sagen: Gebt endlich Ruhe!”

Laut Schutzgmeinschaft kommt jetzt den Anrainergemeinden des Flughafens eine besondere Rolle zu. Siegel: “Es geht nicht allein darum, die Ausbaupläne zu bekämpfen, sondern schon jetzt Maßnahmen vom Flughafen zu fordern, die den derzeitigen Lärm eindämmen - etwa

dagegen einzuschreiten, dass bereits lang vor 5 Uhr morgens begonnen wird, Triebwerke zur Stromerzeugung laufen zu lassen, um Flugzeuge zu putzen und zu warten.” Die Flugzeuge könnten auch Strom vom Flughafen beziehen und müssten ihn nicht - auch wenn dies für sie billiger ist - mit eigenen Triebwerken produzieren und damit unnötigen Lärm erzeugen, so die SG Filder.

Auch sei es höchst verwunderlich, dass die Landesregierung vom Flughafen Zürich Beschränkungen der Flugbewegungen fordert, zu Hause aber dem Flughafen nicht das Handwerk legt, wenn dieser sich noch mehr aufblähen will. “Es ist richtig, aus Klimaschutzgründen das Autofahren mit Dreckschleudern einzuschränken, dann darf aber nicht gleichzeitig für das klimaschädlichste Transportmittel, das Flugzeug, eine weitere Startbahn geplant werden!”, erklärt die SG Filder.

Gemeinden, die sich gegen eine zweite Startbahn ausgesprochen haben:

Gemeinden, die sich gegen eine zweite Startbahn ausgesprochen haben:(Resolution, Brief an die Landesregierung,…)

Der Kommunale Arbeitskreis Filder (KAF) beschloss bereits im Juli 2006 einstimmig(!):

“Der ständige Ausschuss beim Kommunalen Arbeitskreis Filder lehnt auf der Basis der vorliegenden Informationen die Pläne für eine zweite Start- und Landebahn ab”

(Der KAF vertritt die Kommunen: Denkendorf, Esslingen, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Neuhausen, Ostfildern, Steinenbronn, Stuttgart)

In mehreren, hier nicht aufgeführten Kommunen läuft der Diskussionsprozess noch!

Unabhängig vom gemeinsamen KAF - Beschluss sprachen sich folgende Kommunen in eigenen Beschlüssen gegen eine zweite Bahn aus:

Holzgerlingen und damit Altdorf, Hildrizhausen, Schönaich, Steinenbronn (trägt den KAF Beschluss mit)

 

Leinfelden-Echterdingen und damit Stetten, Musberg, Leinfelden, Oberaichen, Unteraichen, Echterdingen ,

Aichtal und damit Grötzingen, Aich, Neuenhaus,

Filderstadt und damit Bernhausen, Bonlanden, Plattenhardt, Harthausen, Sielmingen,

Plieningen und Birkach

Neuhausen

Wolfschlugen (schließt sich ohne eigenen Beschluss dem KAF-Antrag an)

Ostfildern und damit Ruit, Kemnat, Nellingen, Scharnhausen

Denkendorf

Berkheim

Baltmannsweiler mit Hohengehren

Lichtenwald mit Hegenlohe, Thomashardt, Ölmühle

Altbach

Plochingen

(Von den oben aufgeführten Kommunen liegen der Schutzgemeinschaft Filder Rückmeldungen vor, die eine zweite Bahn ablehnen.)

 

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!