Donnerstag, 15. November 12

Das Trio Hopfenzitz, Distel und Siegel deckten die S21 Lügen schonungslos auf

Gut 300 Zuschauer füllten die Echterdinger Zehntscheuer bis auf den letzten Platz. Man fühlte sich in beste Widerstandszeiten beim Messeprotest oder gegen den Flughafenausbau zurück versetzt, als Steffen Siegel und Frank Distel von der Schutzgemeinschaft den Hauptredner des Abends ankündigten.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als der ehemaliger Leiter des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Egon Hopfensitz, in stoischer Ruhe den S21-Machern schonungslos ein miserables Zeugnis ausstellte: Die Projektplaner versagten von Anfang an auf der ganzen Linie, planten einen Rückbau auf gerade mal 32 maximale Zugbewegungen pro Stunde und hatten keinerlei Interesse den Zugverkehr zu optimieren. Ein reines Immobiliengeschäft zur wesentlich lukrativeren Erweiterung der Innenstadt  war der eigentliche Sinn dieses gigantischen Projekts - die Bevölkerung durfte es bloß nicht erfahren und wurde von Anfang bis Ende mit Lügen überzogen. Die Projektmacher und Industriebosse, die von dem Projekt profitieren, saßen in Aufsichtsräten von Kaufhausbetreibern und Gremien, die die "Weichen" in die für sie lukrative Richtung stellten. Zu Lasten der Reisenden, der Bevölkerung und der Steuerzahler. Deutlicher hätte man es nicht zum Ausdruck bringen können: Der Stuttgarter Tiefbahnhof soll als einziges Bahnhofsprojekt unterirdisch gebaut werden - als Einziger einer Vielzahl Bahnhofs-Neubauprojekten, die in den 90er Jahren geplant, aber alle verworfen wurden. Mit lausigem Brandschutz, der nicht mal Minimalstanforderungen gerecht wird und mit zweifelhaften politischen Ausnahmegenehmigungen, die überhaupt erst die Weiterplanung ermöglichen.

In dasselbe Horn blies Steffen Siegel, der die Lügen des mit viel politischem Tamtam initiierten Filderdialogs schonungslos offenlegte. Die Lösung, für die sich die per Zufallsauswahl beteiligte deutliche Mehrzahl der Bürger sowie der geladenen Fachleute entschied, nämlich den Erhalt und die Ertüchtigung der Gäubahn, wurde von den Projektträgern in dreister Manier ignoriert. Die selbst präferierte Antragstrasse, die samt ihrem für die Bevölkerung so unsäglichen Mischverkehr auf die hinteren Plätze verwiesen wurde, wurde mithilfe durchsichtiger Tricksereien auf den 2. Platz gehieft und schließlich - unfassbar für alle - mit einem sündhaft teuren Bahnhofsneubau auf den Fildern trotz deutlich weniger Stimmen mithilfe der Presse zum Sieger erklärt. Mehr hätte man das Volksvotum nicht verhöhnen und mit Füßen treten können.

Siegel und später auch Frank Distel ließen kein Detail aus und bewiesen an diesem Abend für jeden verständlich, warum die nun geplante Streckenführung in allen Belangen nachteilig und besonders für den S-Bahn Nahverkehr störanfällig werden wird. Auch eine Neuplanung des Filderbahnhofs kann, so Frank Distel, die Nachteile nicht ansatzweise wett machen. Im Gegenteil: Die hohen Mehrkosten sind in keinster Weise nachvollziehbar bzw. gerechtfertigt. Rückt der Bahnhof im besten Fall gerade mal 20m näher an Terminal 3 im Vergleich zur vorherigen Planung. Ein Nadelöhr, das den für die hiesige Bevölkerung so wichtigen S-Bahn-Verkehr durch den Vorrang der IC Züge komplett aus den Fahrplan werfen wird.

Zum Abschluss erläuterte Distel den von der Schutzgemeinschaft ins Spiel gebrachte S-Bahn Ringschluss, der zu einem Bruchteil der Kosten der Bevölkerung wahren Nutzen bringen würde. Das Neckartal würde nach Jahren endlich vom Flughafen von Westen her per S-Bahn über Neuhausen, Wendlingen, Plochingen und Esslingen zu erreichen sein - ein unschätzbarer Vorteil im Vergleich  zur von allen mit Hohn belegten von den S21 Machern geplanten Magistrale Stuttgart-Bratislawa. Brachte es schließlich Hopfenzitz auf den Punkt: Diese Strecke wurde in 6 Monaten von Bahnkunden gerade 3-mal nachgefragt.

Klicken Sie auf die Links unten auf dieser Seite und Sie gelangen zu den Live- Mitschnitten der Vorträge auf der Internetseite von "Flügel TV" sowie zu weiteren Bilder des Fotografen Alexander Schäfer und einem Bericht in der online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung und der Printausgabe der Esslinger Zeitung (EZ).

 

Von: Rolf Keck-Michaeli (Bilder und Text)

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!