Donnerstag, 10. Mai 07

Außerparlamentarischer Antrag an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg: Wir fordern den Klima-Check für baden-württembergische Flughäfen

Stuttgart/Filder, 10. Mai 2007.
Antragssteller: BUND, NABU, VCD, Schutzgemeinschaft Filder e.V.

Global denken – vor Ort handeln

Wir fordern den Klima-Check für baden-württembergische Flughäfen
 
Der UN-Klimabericht enthält eine lebenswichtige Botschaft: Es ist Fünf vor Zwölf. Die Erde steht vor einem Klimakollaps. Nur wenn die Menschheit jetzt handelt, können die schlimmsten Folgen noch verhindert werden. Nur wer vor Ort handelt, hilft mit, unsere Lebensgrundlage zu retten.
Die Botschaft des UN-Klimaberichts darf nicht versanden oder zerredet werden. Denn es geht um die Existenz unserer Erde und aller Menschen. Auch Deutschland ist betroffen: die Fruchtbarkeit der Böden, die Volkswirtschaft, die Gesundheit der Menschen, die Lebensqualität.
Deshalb muss jetzt ALLES auf den Prüfstand. Es darf zu keiner Verschlimmerung des CO2-Notstands mehr kommen. Überall wo es möglich ist, müssen Schritte zum Rückbau der CO2-Emissionen eingeleitet werden. CO2-Verursacher müssen auf Herz und Nieren geprüft werden.
Dazu gehört der Flughafen Stuttgart, der gerade wieder eine neue Versiegelung von wertvollem Boden im Auge hat und den Flugverkehr weiter ausdehnen will.

Flughäfen und Flugzeuge gehören zu den besonders umweltbelastenden Einrichtungen:
- Weltweit tragen Flugzeuge rechnerisch mit einem rund 3,5 prozentigen Anteil zum CO2-Ausstoß bei. Die Wirksamkeit ihrer Emissionen ist aber um das Dreifache höher, weil der Flugverkehr die dünne Erdhaut mit Abgasen und Wasserdampf empfindlich beeinträchtigt.
- Die Energiebilanz eines Flugzeugs ist extrem ungünstig; Tonnen von Kerosin sind notwendig, um ein Flugzeug zum Abheben zu bringen und in der Luft zu halten.
- Start und Landebahnen sowie die Zubringerstraßen versiegeln sehr viel Erde. Im Fall des Stuttgarter Flughafens handelt es sich um eine Erde, die überdurchschnittlich fruchtbar ist und angesichts des globalen Trends sich ausbreitender Steppen und Wüsten immer wichtiger wird.
-1-

Die Auswirkungen des Flughafen Stuttgarts sind schon heute gesundheitsgefährdend
Im vergangenen Jahr hat der Flughafen Stuttgart mit 10 Millionen Fluggästen eine Schallgrenze erreicht, die nicht allein die direkten Anrainer enorm belastet, sondern die Bürgerinnen und Bürger in großen Teilen des Großraums Stuttgarts. Die Zahl der Flugbewegungen hat sich von 1989 mit 88.000 Flugbewegungen auf 163.000 Flugbewegungen im Jahr 2006 fast verdoppelt. Das Ziel des Stuttgarter Flughafens, jetzt auch noch eine zweite Startbahn für Charterflüge, Winterdrehkreuz und Billigflug durchzusetzen, steht nicht allein den Interessen der Bevölkerung von Plochingen im Neckartal bis Holzgerlingen im Schönbuch entgegen. Es trifft ganz Baden-Württemberg. Eine zweite Startbahn würde eine Verdoppelung der heutigen Fluggastzahlen auf über 20 Millionen bedeuten. Mit einer enormen Steigerung der Lärmereignisse ist zu rechnen.

Der Flughafen Stuttgart muss auf den Prüfstand – Ausbau-Überlegungen sofort einstellen
Wir fordern von der Landesregierung mit gutem Beispiel voranzugehen und angesichts des UN-Klimaberichts, eine nachhaltige Politik umzusetzen. Das Land muss jetzt die Weichen für eine klimaschonende Wirtschaft stellen. Deshalb beantragen wir, die folgenden Maßnahmen umzusetzen:
- Statt Machbarkeitsstudie für die 2. Startbahn – Klimaschutz-Check des Flughafens. Dabei ist nicht das Machbare die Maxime, sondern das ökologisch Notwendige!
- Das Land wirkt darauf hin, dass der Flughafen Stuttgart sofort jegliche Ausbau-Pläne für mehr Flugverkehr einstellt, z.B. die Westerweiterung und die 2. Startbahn.
- Das Land verhindert eine weitere Anwerbung von Billigfliegern.
- Keine weitere Förderung der Flughafen-Infrastruktur für mehr Flugverkehr.
- Förderung der Bahn statt des Flughafens.
- Erstellung einer landesweiten Flugverkehrskonzeption unter Nachhaltigkeitsaspekten.
- Einrechnung der sozialen und ökologischen Folgekosten in den Flugticketpreis.
- Start einer Initiative des Landes für die Besteuerung des Flugbenzins.
- Einführung einer Emissionsabgabe mit dem Ziel, die Start- und Landeentgelte entsprechend der Schadstoff- und Lärmemissionen zu verteuern.
- Wirksame Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel.
 
Unterzeichner:

BUND         Landesvorsitzende Baden-Württemberg, Dr. Brigitte Dahlbender    

NABU          Landesvorsitzender  Baden-Württemberg, Dr. Stefan Rösler

VCD       Geschäftsführer des Landesverband Baden-Württemberg, Werner Korn

Schutzgemeinschaft Filder e.V. Vorsitzender,  Steffen Siegel

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!