Montag, 16. Juli 07

Aktionstag gegen die 2. Startbahn und die Reaktionen

 Der Aktionstag gegen die 2. Startbahn am 8. Juli in Neuhausen war ein voller Erfolg.

Schon morgens fanden sich zum ökumenischen Gottesdienst der beiden Neuhäuser Pfarrer rund 700 Besucher im Zelt auf dem Gelände der Gemeinde Neuhausen ein. Danach gab es einen Run auf die Kassen und Essensstände des Neuhäuser Albvereins und des Aktionskreises. Warmes Mittagessen vom Grill, Salate von der Salatbar und Kuchen zum Nachtisch – alle kamen auf ihre Kosten. Rund 80 Kuchen und Torten wurden angeliefert. Kaffee vom Eine Welt Laden aus Bernhausen brodelte. Schweinehälse und Würste bruzelten.

 

Radler aus allen Himmelsrichtungen

Der Obst und Gartenbauverein aus Neuhausen bot guten Most und sämtliche Parteien Neuhausens waren mit Stand oder AktivistInnen vertreten. Die IGL in grünen T-Shirts, die CDU in orangenen samt Button gegen die 2. Startbahn; die Freien Wähler und die SPD informierten die Besucher über ihre Beweggründe, als Gemeinderäte gegen die Flughafenpläne aufzutreten. Schutzgemeinschaft, Attac und BUND hatten Informationsstände aufgestellt. Der BUND bot den einzigen klimaneutralen Flieger an: ein Flugzeug, aus Papier gefaltet. Gegen 11.30 Uhr trafen die ersten Radler – knapp 200 an der Zahl aus allen Himmelsrichtungen ein – aus Plochingen, Wolfschlugen, Plattenhardt, Steinenbronn, Vaihingen und Degerloch. Die Wiese war übersät von Fahrrädern. Die ersten Wissensdurstige bestiegen die Anhänger der Bernhäuser Landwirte, die zur Traktorfahrt zum geplanten Gelände einluden.

Kein Gutachten notwendig - Kommunen gegen 2. Startbahn

Als die Kundgebung um 13 Uhr begann, war das Zelt brechend voll. Mit großem Beifall begrüßten die Teilnehmer die vielen Vertreter der Kommunen, die sich auf Einladung des Neuhäuser Bürgermeisters Ingo Hacker alle zur politischen Demonstration eingefunden hatten. Als da waren: Klaus Herzog (Aichtal), Nicolas Fink (Aichwald), Wolfgang Benignus (Altbach), Martin König (Baltmannsweiler), Gerhard Schmid (Deizisau), Peter Jahn (Denkendorf), Andreas Koch (Filderstadt), Lucia Herrmann (Lichtenwald), Johann Singer (Steinenbronn), Frank Ziegler (Wendlingen), Otmar Ehmhardt (Wolfschlugen), Ingo Hacker (Neuhausen), Stellvertretende BM´s: Margarete Bihl (Plochingen), Margarete Schick-Häberle (Ostfildern).

Ingo Hacker wies in der Rolle des Vorsitzenden des Kommunalen Arbeitskreises Filder darauf hin, dass Hundertausende weit über die Filder hinaus von den Belastungen des Flughafens betroffen sind. Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Filder, Steffen Siegel, begründete mit einem einfachen Beispiel, warum die Bevölkerung kein Startbahn-Gutachten braucht: “Wenn Sie von Ihrem Nachbar hören, dass er in Ihrem Garten eine Terasse betonieren will, wehren Sie sich sofort dagegen und warten nicht ab, ob die Zerstörung links oder rechts vom Haus stattfindet.” Steffen Siegel forderte deshalb, sofort alle Ausbaupläne einzustellen und die “Kriegserklärung gegen die Bevölkerung” zurück zu ziehen. Der Landwirt und Vorsitzende des Kreisbauernverbands Esslingen, Siegfried Nägele erläuterte die Land-Not, mit der bereits heute Landwirte auf den Fildern zu kämpfen haben und plädierte für eine bessere Unterstützung der Landwirtschaft, die schließlich auch Arbeitsplätze schaffe.

Landtagsabgeordnete gegen 2. Startbahn

Wolfgang Drexler von der SPD geißelte die Flughafen-Pläne und forderte ein baden-württembergisches Flughafenkonzept. Sein Kollege von der FDP, Fraktionsvorsitzende Dr. Ulrich Noll machte geltend, dass eine Erweiterung des Flughafens den ohnehin schon ausufernden Verkehr auf den Fildern im Dauerstau münden lasse, was die örtliche Wirtschaft bis zum Handwerker zu spüren bekomme. Winfried Kretschmann, Landtags-Fraktionsvorsitzender von den Grünen betonte: “Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen wollen, darf es diese 2. Start- und Landebahn nicht geben.” Und die CDU- Abgeordnete und Vize-Präsidentin des Landtags, Christa Vossschulte, die die Machbarkeitsstudie als Diskussionsbasis benötigt und dafür anfangs mit Pfiffen bedacht wird, beteuert am Ende ihrer kurzen Rede, dass sie die Bevölkerung verstehe und mit ihr gegen die Startbahn kämpfen werde. Als Vertreter des landesweiten Bündnisses der Umweltverbände gegen den Flughafenausbau von BUND, NABU, LNV und dem VCD forderte Michael Spielmann zum konsequenten Handeln aller auf. Mit großem Beifall wurde auch die Zahl der Unterschriften gegen die 2. Startbahn und Lärm, aufgenommen. 17.000 waren bis Sonntagmorgen gesammelt und abgegeben worden. Die Unterschriftensammlung wird fortgesetzt, verkündete Gabi Visintin von der SG Filder – mindestens bis Fundels zu Gutachten veröffentlicht wird.

Als es um 15 Uhr – pünktlich zu Kabarett von Peter Grohmann und der Lesung von Gerhard Raff - wie aus Kübeln schüttete, war das Zelt ein gern eingenommener Trockenplatz mit Kultur und Witz, der einem aber auch im Halse stecken bleiben konnte. Jetzt musste auch das Spielmobil aus LE, das sich den Nachmittag über großen Zulauf erfreute, dem Regen weichen. Viele Besucher traten den Heimweg an, nachdem sie das Wichtigste demonstriert hatten: Rund 3000 Menschen zeigten am Aktionstag, dass sie aufstehen gegen mehr Lärm und Umweltbelastung – immer wieder.

Reaktionen:

Kaum hatten Funk, Fernsehen und Zeitschriften berichtet, schlugen in Stuttgart und Umgebung die Wellen hoch. Der Aktionstag hat verschiedene Reaktionen ausgelöst: Ministerpräsident Oettinger äußerte sich zum erwarteten Gutachten, das er mit einem Prüfungsgutachten einschätzen lassen will. Der Ministerpräsident plant im Jahr 2008 die Entscheidung für oder gegen die Startbahn. Dr. Ulrich Noll verknüpft sein Amt mit der Gegnerschaft zur 2. Startbahn. Christa Vossschultes Äußerung auf dem Aktionstag, dass sie an unserer Seite gegen eine 2. Startbahn kämpfen wolle, hat weitere CDU-Landtags-abgeordnete als Nachahmer gefunden, darunter J. Döpper.

Danke!

An dieser Stelle deshalb ganz herzlicher Dank an alle, die diesen Aktionstag ermöglicht haben: an die Schutzgemeinschafts- und Aktionskreis-Aktivisten und -Mitglieder, an den Albverein Neuhausen, an den Bürgermeister, Gemeinderat und die Stadtverwaltung Neuhausens sowie die Bürgermeister aus den Nachbarregionen, an die Kinderbetreuerinnen, Traktorfahrer, an alle die Kuchen gebacken, Salate geschnipselt und überall Hand angelegt haben, wo es notwendig war. Danke! Machen wir weiter so!

 

 

 

 

 

 

Von: Gabi Visintin

 

50 Jahre und kein bisschen leiser!