Die Welt: ‘Immer mehr Messen im Minus’
Quellennachweis: Die Welt, vom 26. Mai 2004
Bessere Dienstleistungen und das Auslandsgeschäft sollen für Ausgleich sorgen.
Berlin - Messen sind für deutsche Unternehmen und Besucher immer weniger attraktiv. Die Hälfte aller Messe-Veranstaltungen hat 2003 Verluste eingefahren. Und im vergangenen Jahr sind mit rund 77 000 deutschen Ausstellern sechs Prozent weniger als im voran gegangenen Jahr zu den Messeplätzen in Deutschland gekommen.
Das teilte der Ausstellungs- und Messeausschuss der deutschen Wirtschaft (AUMA) am Dienstag in Berlin mit.
Lediglich die Zahl der ausländischen Aussteller nahm um 1,8 Prozent auf rund 84 000 zu. Gleichzeitig sank die Anzahl der Besucher um vier Prozent auf 9,5 Millionen. Für das laufende Jahr erwarten die deutschen Messeveranstalter wieder bessere Geschäfte.
“Die schlechte Konjunktur hat in den Bilanzen der Veranstalter ihre Spuren hinterlassen”, sagte Hermann Kresse, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes. Die vermietete Fläche auf internationalen Messen ging überproportional um 6,5 Prozent auf insgesamt 6,12 Mio. Quadratmeter zurück. Der Umsatz der der deutschen Messeveranstalter blieb dabei mit 2,3 Mrd. Euro stabil.
Verstärktes Kostenbewusstsein und ein steigendes Angebot an Fachmessen sind nach Ansicht von Kresse die Gründe für den Ergebnisrückgang im abgelaufenen Geschäftsjahr. Angesichts der labilen Wirtschaftslage und der wachsenden Konkurrenz zwischen den Marketinginstrumenten seien die Aussteller bei Investitionen in Messeauftritte vorsichtiger geworden. Die Messe habe ihren einstigen Stellenwert als bestes Mittel zu Kundenakquise und Marketing verloren. Aussteller prüfen deshalb Kresse zufolge das Kosten-Nutzen-Verhältnis genauer als sie es in den vorangegangenen Jahren getan hatten.
Um für die Zukunft wieder mehr Aussteller gewinnen zu können, wollen die Veranstalter ihre Angebotspalette um Dienstleistungen rund um den Messeauftritt erweitern. Dazu gehört die Übernahme von Marketingdiensten für Ausstellerfirmen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Internetpräsentationen bis hin zu Hotel-Buchungen. Die Messeveranstalter erhoffen sich von dieser Strategie ein ausgeglichenes Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr. “Nach dem gut verlaufenen ersten Halbjahr, hoffen wir für 2004 auf eine schwarze Null bei Besucher- und Ausstellerzahlen”, sagte Kresse.
Ein weiterer Grund für die bessere Geschäftslage 2004 ist das stärkere Auslandsgeschäft der deutschen Veranstalter. Insbesondere China und die neuen EU-Mitgliedstaaten aus Osteuropa sind die wichtigsten Wachstumsmärkte im Messegeschäft. Unternehmen dieser Länder stellen auch die Mehrheit ausländischer Aussteller auf deutschen Messen.
Wegen des Zustroms ausländischer Aussteller konnte sich Deutschland weiter als bedeutendster Messestandort Europas behaupten. “Die Stärken deutscher Messen sind internationales Renommee, Mut zu Innovationen und ein gutes Marketing”, sagte Kresse. Zu den Besuchermagneten gehörten die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, die Cebit in Hannover und die Grüne Woche in Berlin.
Allerdings hat sich der Trend zu kürzeren Messezeiten verstärkt. Die durchschnittliche Messedauer beträgt heute vier bis fünf Tage. Das sind rund zwei Tage weniger, als es noch in den 90-er Jahren waren. (amo)